H&M streicht 3XL und 4XL. Das Unternehmen sagt es selbst.

Eine sehr dicke Frau im ärmellosen Top sitzt in der Damenabteilung eines Modegeschäfts und hält mit unbeeindrucktem Blick ein viel zu kleines Kleid am Bügel hoch. KI-generiertes Motiv, keine realen Personen.

Im März 2023 kündigte H&M an, das Damensortiment von XL bis 4XL zu führen, und holte das Model und die Aktivistin Tess Holliday als Beraterin für Größen und Inklusion. Drei Jahre später sind die beiden größten Größen weg. Das ist kein Gerücht aus einem Shopping-Forum und keine Ableitung aus einem Trendtext. H&M hat es dem Guardian gegenüber bestätigt, der die Stellungnahme am 20. August 2026 veröffentlichte. Wir haben diesen Text vollständig gelesen und am 7. September 2026 die Shopseiten von H&M in Großbritannien und Deutschland geöffnet, um zu sehen, was tatsächlich hängt. Dieser Artikel handelt davon, was ein Unternehmen sagt und was seine Website zeigt. Er handelt nicht von irgendjemandes Körper, und er sagt nichts darüber, warum wem in diesem Jahr etwas anders passt.

Was H&M gesagt hat

Der Guardian fragte H&M nach den fehlenden Größen. Das Unternehmen antwortete, es beobachte Passform und Größennachfrage fortlaufend und habe sich entschieden, „die Größen 3XL und 4XL einzustellen“, weil es für diese Größen geringere Nachfrage gesehen habe. Dieser Satz ist die ganze Nachricht. Alles Weitere in diesem Artikel ist Kontext dazu.

Holliday, deren Beratung die Erweiterung hervorgebracht hatte, arbeitet nicht mehr mit H&M. Dem Guardian sagte sie, sie sei anfangs skeptisch gewesen, dann zuversichtlich geworden, weil geforderte Änderungen tatsächlich umgesetzt wurden, und zweifle heute daran, dass das Engagement so ernst gemeint war, wie sie gehofft hatte.

Was die Datenfirma gezählt hat

Die Zahlen des Guardian stammen von Edited, einem Handelsanalyse-Unternehmen, das Artikel erfasst, sobald sie auf den Websites der Händler erscheinen. Edited hat jedes neue Damenkleid ausgewertet, das zwischen Januar und Mai 2026 auf der H&M-Seite landete, und mit denselben Monaten 2025 verglichen. Laut Edited, berichtet vom Guardian:

  • 2025 machten 3XL und 4XL 2 Prozent der neuen Kleider aus. 2026 fehlten sie ganz.
  • XXL hatte 2025 einen Anteil von 13,3 Prozent an den neuen Kleidern und fiel um 3 Prozentpunkte.
  • XL fiel um 2 Prozentpunkte.
  • XS bis L legten im Durchschnitt um 3 Prozentpunkte zu.

Die Rohdaten von Edited liegen hinter einer kostenpflichtigen Plattform. Wir haben sie nicht gesehen und bilden daraus keine eigene Zahl. Die Angaben oben sind die von Edited, so wie der Guardian sie beschreibt, und auch die Methode ist die von Edited: neue Artikel, die in einem festen Zeitfenster auf der Website erscheinen, nicht der Gesamtkatalog, nicht die Filialen.

Der Guardian berichtet dieselbe Richtung bei zwei weiteren Marken. Bei Mango sank der Anteil neuer Kleider in den britischen Größen 16 bis 20 von 6,6 Prozent im Frühjahr/Sommer 2025 auf 0,5 Prozent im Frühjahr/Sommer 2026, ebenfalls laut Edited. Bei Anthropologie fiel der Plus-Size-Anteil der Kleider im Juli im Jahresvergleich von 10,5 auf 9 Prozent. Walmart, so die Edited-Analystin gegenüber der Zeitung, sei ein seltener Fall eines Händlers, der in dieser Saison größere Größen hinzugenommen habe.

Was der H&M-Shop am 7. September 2026 gezeigt hat

Handelsdaten beschreiben, was im Frühjahr ankam. Wir wollten wissen, was eine Kundin heute sieht, also haben wir die H&M-Websites für Großbritannien und Deutschland geöffnet, ohne Login, und uns die Seiten angesehen, die H&M selbst unter große Größen einordnet. H&M nennt dieses Sortiment „H&M+“. Das haben wir gefunden, mit Zeitpunkt und Ort der Prüfung.

Großbritannien, hm.com, 7. September 2026:

  • Die allgemeine Kategorie „Dresses“ für Damen listete 1.339 Produkte. Ihr Größenfilter bot 3XL und 4XL weiterhin als Optionen an.
  • Die Kategorieseite „Plus Size Dresses“ innerhalb von H&M+ existierte, mit Navigationsreitern und Marketingtext, und listete kein einziges Produkt.
  • Das gesamte H&M+-Sortiment für Damen listete 43 Produkte.
  • Ein einfaches Baumwoll-T-Shirt aus diesem Sortiment wurde weiterhin von XXS bis 4XL angeboten.

Deutschland, hm.com, 7. September 2026:

  • Die Seite „Übergrößen Kleider H&M+“, die deutsche Plus-Size-Kleiderkategorie, existierte, mit Reitern und Text, und listete kein einziges Produkt.
  • Das gesamte H&M+-Sortiment für Damen listete 31 Produkte.

Das Bild ist also nicht, dass die Größen aus dem System gelöscht wären. Die Filterknöpfe sind da, ein T-Shirt läuft bis 4XL, und die Kategorieseiten tragen weiterhin ihren SEO-Text über Kleider für Alltag und Partys. Was fehlt, sind die Kleider. In zwei der größten europäischen Märkte von H&M ist die Plus-Size-Kleiderkategorie ein Regal mit Etikett, auf dem nichts liegt.

Das ist eine Momentaufnahme, keine Reihe. Bestände bewegen sich täglich, und eine Seite, die an einem Montag im September leer ist, muss es im Oktober nicht sein. Wir nennen das Datum, damit jede die Prüfung wiederholen kann, und wir wiederholen sie selbst.

Die Kundinnen sind nicht gegangen

H&Ms erklärter Grund ist geringere Nachfrage. Der Guardian stellt dieser Behauptung zwei andere Arten von Zahlen gegenüber, und wir berichten sie, weil sie Zahlen sind, nicht weil sie die Frage entscheiden.

ThredUp, die Online-Secondhand-Plattform, sagte dem Guardian, die Angebote größerer Kleidungsstücke seien im ersten Halbjahr 2026 um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, und das Kaufvolumen bei Damenartikeln in den Größen Large, XL und Plus sei in diesem Jahr um 17,4 Prozent gewachsen, gegenüber 6,8 Prozent bei Small und Medium. Ein Unternehmen, dessen Geschäft Secondhand ist, hat ein Interesse an dieser Geschichte und sagt selbst, dass es keine Daten zum Warum hat. Aber es ist eine gemessene Zahl, und sie zeigt in die andere Richtung als „geringere Nachfrage“.

Mintel, ein Marktforschungsunternehmen, sagte der Zeitung, 69 Prozent der Kundinnen und Kunden fänden, Marken müssten mehr Größen- und Längenoptionen anbieten; die Handelsanalystin von Mintel argumentierte, die Größenkurve verschiebe sich vielleicht, das beseitige aber nicht den Bedarf an Größeninklusion, das größere Problem sei die Passform. Plunkett Research schätzte im vergangenen Jahr, dass rund zwei Drittel der US-Frauen Größe 14 oder größer tragen, was die meisten Marken unter Plus einordnen.

Legt man das neben den Satz von H&M, ergibt sich die Form des Streits. Das Unternehmen sagt, weniger Menschen hätten bei H&M nach Kleidern in 3XL und 4XL gefragt. Der Secondhand-Markt sagt, mehr Menschen kauften große Größen woanders. Beides kann zugleich stimmen, und das zweite ist eine plausible Folge des ersten: Ein Kleid in einer Größe, die nicht produziert wird, kann man nicht kaufen, also kauft man es gebraucht oder hört auf zu suchen. Hollidays Fassung davon im Guardian ist direkter: Dicke Menschen würden als weniger wertvolle Kundinnen behandelt. Nikki Apostolou, eine im selben Text zitierte Influencerin, sagte, sie habe Einkaufszentren ganz aufgegeben, und Marken hätten dicken Kundinnen jahrelang dieselben wenigen Schnitte angeboten.

Was wir nicht sagen

Wir sagen nicht, warum H&Ms Kundinnen die Größe haben, die sie haben, und wir wiederholen nicht die Erklärung der Branche dafür, denn diese Erklärung ist eine Behauptung über Körper, und dies ist ein Artikel über einen Laden. Mehrere vom Guardian zitierte Analysten führen die Verschiebung auf Medikamente zurück. Wir können das nicht gegen H&Ms Verkaufsdaten prüfen, H&M hat es nicht gesagt, und wir behaupten es nicht. Wenn die These lautet, die Kundin sei kleiner geworden, dann ist das die These der Branche, nicht unsere.

Wir sagen auch nicht, dass H&M ein Sonderfall wäre. Der Guardian nennt Loft, Old Navy und Torrid als frühere Rückzüge, und wir haben in dieser Saison über denselben Rückzug auf dem Laufsteg geschrieben. Ungewöhnlich ist hier die Aktenlage: eine Ankündigung von 2023, eine benannte Beraterin, eine Datenfirma, die das Ergebnis zählt, und ein Firmensatz, der es bestätigt. Die meisten Größenstreichungen passieren leise. Diese hat einen Beleg.

Was das praktisch bedeutet, ist dasselbe wie bei jedem anderen Raum, der für einen kleineren Körper gebaut ist: Das Problem ist der Raum, nicht der Mensch darin. Eine Kategorieseite ohne Kleider ist eine Designentscheidung. Ein Unternehmen hat sie getroffen, und das Unternehmen hat es gesagt.

Quellen

  • Hannah Marriott, „Where did all the XXL clothes go? Fashion brands are scrapping plus sizes in the GLP-1 era“, The Guardian, 20. August 2026. https://www.theguardian.com/fashion/ng-interactive/2026/aug/20/plus-size-clothes-glp-1 (Alle Zahlen von Edited, Mintel, ThredUp, Plunkett Research und Impact Analytics sowie alle Zitate stammen aus diesem Text; die zugrunde liegenden Edited-Daten sind kostenpflichtig und wurden nicht direkt eingesehen.)
  • H&M UK, Women’s Dresses, geprüft am 7. September 2026: https://www2.hm.com/en_gb/ladies/shop-by-product/dresses.html
  • H&M UK, Plus Size Dresses (H&M+), geprüft am 7. September 2026: https://www2.hm.com/en_gb/ladies/shop-by-product/hm-plus/dresses.html
  • H&M UK, Plus Sizes (H&M+), geprüft am 7. September 2026: https://www2.hm.com/en_gb/ladies/shop-by-product/hm-plus.html
  • H&M Deutschland, Übergrößen Kleider H&M+, geprüft am 7. September 2026: https://www2.hm.com/de_de/damen/produkte/hm-plus/kleider.html
  • H&M Deutschland, Große Größen (H&M+), geprüft am 7. September 2026: https://www2.hm.com/de_de/damen/produkte/hm-plus.html