Ein paar Jahre lang schien die Mode entdeckt zu haben, dass auch dicke Menschen Kleidung tragen. Laufstege wurden breiter, Marken brachten größere Linien, und „Body Positivity“ wurde zur Marketingabteilung. Dieser Moment ist vorbei — und die Zahlen zum Rückzug sind brutal.
Die Zahlen lügen nicht
In den Schauen der Saison Herbst/Winter 2025/26 kamen Plus-Size-Models (ab US 14) auf gerade einmal 0,3 % aller Looks — nach 0,8 % in der Vorsaison. Straight-Size-Models (US 0–4) machten 97,7 % aus. Kurvige Sichtbarkeit ist nicht stehen geblieben, sie ist fast verschwunden.
„Ich fürchte, diese Fashion Week könnte der steilste Absturz bisher sein.“ — Nadia Boujarwah, Mitgründerin und CEO von Dia&Co, die bereits 2023 davor warnte, als der Rückgang gerade erst begann.
Auftritt „Mid-Size“, der bequeme Kompromiss
In diese Lücke tritt eine aufgeräumtere Kategorie: Mid-Size, etwa US 6–12, mit 2 % der Looks. Mid-Size-Körper werden als „nahbar“ und „echt“ vermarktet, ohne je dick zu sein. Das ist Vielfalt, die man in eine Kampagne setzen kann, ohne jemanden zu erschrecken — ein Feigenblatt, mit dem eine Marke Inklusivität behauptet und zugleich genau die Menschen fallen lässt, die sie am meisten brauchten.
Vom Laufsteg ins Regal
Das ist nicht nur ein Catwalk-Problem. Was auf dem Laufsteg läuft, sagt voraus, was in den Läden landet — und Händler ziehen sich bereits zurück, fahren erweiterte Größen herunter und beerdigen Plus-Linien leise. Unsichtbarkeit auf dem Laufsteg heute wird morgen zur Umkleidekabinen-Wüste: weniger Größen, weniger Schnitte, dieselbe traurige Stange in der hinteren Ecke.
Warum gerade jetzt
Das Timing ist kein Zufall. In der Ozempic-Ära wird Schlankheit wieder als Ideal verkauft, und der Backlash gegen Body Positivity hat der Branche die Erlaubnis gegeben, das zu tun, was sie ohnehin wollte. „Inklusivität“ war für viele Marken ein Trend — und Trends enden.
Fazit
Dicke Menschen haben nicht aufgehört zu existieren, Geld zu haben oder Kleidung zu brauchen. Ein Markt, der einen ganzen Körpertyp wie eine vergehende Saison behandelt, verrät sich selbst. Die Aufgabe ist jetzt, sich zu merken, welche Marken es ernst meinten — und bei den anderen die Belege aufzuheben.
Quellen & Weiterlesen
- Refinery29 — NYFW’s size diversity problem
- FashionUnited — Thinness is back on catwalks
- Marie Claire — State of size inclusivity
- Passend dazu: unser Klartext-Guide zu Plus-Size-Mode
Fatosphere hält eine rote Linie: Wir bewerben keine Diät- oder Abnehmprodukte und arbeiten nicht mit Vorher-Nachher-Logik. Dieser Text ist Berichterstattung, keine medizinische Beratung.

