Gewichtsstigma und schlechtere psychische Gesundheit treten gemeinsam auf, der Zusammenhang ist gut belegt. Eine US-Befragung von 2.632 Erwachsenen aus dem Jahr 2025 stellt zwei engere Fragen: Sieht der Zusammenhang bei Schwarzen, Latino- und weißen Erwachsenen unterschiedlich aus, und geht es Menschen besser, die aktiv mit Stigma umgehen? Die Antworten lauten „kein Unterschied gefunden“ und „etwas, bei zwei von drei Ergebnissen“. Beides kommt mit Grenzen, die die Autorinnen nennen, und einigen, die der Text offen lässt.
Die Arbeit heißt „Weight stigma and mental health in a racially and ethnically diverse sample of US adults“, Autorinnen sind Mary A. Gerend, Anna W. Lu und Elizabeth L. Teets (Florida State University). Sie erschien am 21. Juli 2025 in Frontiers in Psychiatry, in einem Research Topic zu Gewichtsstigma und psychischer Gesundheit (Open Access).
Wie die Daten entstanden
Die Befragten kamen aus einem Online-Panel von Dynata und füllten eine Umfrage von 10 bis 15 Minuten aus. Teilnehmen konnten Personen mit Wohnsitz in den USA, 18 bis 64 Jahre alt, mit selbstberichtetem BMI zwischen 12 und 70, die sich als cisgeschlechtliche Männer oder Frauen und als Schwarz bzw. afroamerikanisch, hispanisch bzw. Latino oder nicht-hispanisch weiß bezeichneten. Die Autorinnen legten vorab Quoten fest: mindestens ein Drittel Schwarz, mindestens ein Drittel hispanisch oder Latino, mindestens ein Viertel nicht heterosexuell. Von 3.028 Personen, die fertig wurden, schieden 396 wegen Datenqualität aus (nicht bestandene Aufmerksamkeitsfragen, sehr kurze Bearbeitungszeit), es bleiben 2.632.
Die Stichprobe: mittleres Alter 36,9 Jahre, 50 Prozent Frauen, 36 Prozent Schwarz, 36 Prozent hispanisch oder Latino, 29 Prozent nicht heterosexuell. Der mittlere BMI lag bei 27,9 (SD 8,2). Das ist eine allgemeine Erwachsenenstichprobe über das ganze BMI-Spektrum, keine Stichprobe von Menschen in größeren Körpern; wie viele einen hohen BMI hatten, nennt der von mir gelesene Text nicht.
Gewichtsstigma wurde auf zwei Wegen gemessen. Erlebtes Stigma: zehn Situationen, etwa dass eine Ärztin ungefragt eine Diät empfiehlt oder man abfällige Bemerkungen mithört, bewertet nach Häufigkeit im bisherigen Leben von 0 bis 3 (SSI-B, Mittelwert 0,83). Verinnerlichtes Stigma: zehn Aussagen wie „Wegen meines Gewichts bin ich weniger attraktiv als die meisten anderen“, bewertet von 1 bis 7 (WBIS-M, Mittelwert 3,38). Beide hingen mit r = ,56 zusammen.
Psychische Gesundheit wurde mit drei kurzen Maßen erfasst: einem Zwei-Item-Wert zur allgemeinen psychischen Gesundheit (1 bis 5, Mittelwert 3,11), dem Zwei-Item-Depressionsscreening PHQ-2 (Mittelwert 2,29) und einer einzelnen Ja/Nein-Frage, ob eine Fachperson je eine depressive Störung diagnostiziert hat (37 Prozent sagten ja). Bewältigung wurde mit sechs selbst formulierten Aussagen erfasst, zum Beispiel „Für sich selbst eintreten“, „An die eigenen guten Seiten denken“ und „Sich selbst lieben und annehmen, auch wenn es scheint, als täten andere es nicht“. Nur die 1.546 Befragten, die angaben, wegen ihres Gewichts je gehänselt oder unfair behandelt worden zu sein, beantworteten sie.
Die Ergebnisse
Mehr Stigma ging bei allen drei Ergebnissen mit schlechterer psychischer Gesundheit einher, bei konstant gehaltenem BMI und konstanten demografischen Merkmalen. Im Modell zur allgemeinen psychischen Gesundheit war jeder zusätzliche Punkt auf der Skala für erlebtes Stigma mit einem um 0,19 niedrigeren Wert verbunden (B = -0,190, 95-%-KI -0,242 bis -0,139), jeder Punkt auf der Verinnerlichungsskala mit 0,20 weniger (B = -0,196, KI -0,223 bis -0,169). Dieselbe Richtung zeigte sich bei den depressiven Symptomen und bei der Wahrscheinlichkeit einer Diagnose. Das ist ein statistischer Zusammenhang in einer einmaligen Befragung.
Kein Unterschied nach Herkunft. Die Autorinnen prüften, ob der Zusammenhang zwischen Stigma und psychischer Gesundheit bei Schwarzen gegenüber nicht-Schwarzen und bei Latino gegenüber Nicht-Latino Befragten stärker oder schwächer ist. Kein Interaktionsterm war signifikant, über alle drei Ergebnisse und beide Stigma-Maße hinweg. Ihre Lesart: Keine Gruppe scheint geschützt. Sie weisen auch darauf hin, dass dies etwas anderes ist als die Häufigkeit, mit der jede Gruppe Stigma begegnet; frühere Arbeiten legen nahe, dass manche Gruppen weniger davon berichten, und der von mir gelesene Text vergleicht die Häufigkeit zwischen den Gruppen nicht.
Aktive Bewältigung ging bei zwei von drei Ergebnissen mit einem schwächeren Zusammenhang einher. Unter den Befragten, die Stigma erlebt hatten, zeigt die Tabelle die einfachen Effekte für Personen mit seltener und häufiger Nutzung der sechs Strategien.
| Ergebnis und Stigma-Maß | Seltene Bewältigung | Häufige Bewältigung |
|---|---|---|
| Allgemeine psychische Gesundheit, erlebtes Stigma (B) | -0,32 (KI -0,41 bis -0,23) | -0,02 (KI -0,10 bis 0,07) |
| Allgemeine psychische Gesundheit, verinnerlichtes Stigma (B) | -0,23 (KI -0,27 bis -0,17) | -0,10 (KI -0,15 bis -0,06) |
| Depressionsdiagnose, erlebtes Stigma (Odds Ratio) | 2,05 (KI 1,66 bis 2,54) | 1,57 (KI 1,30 bis 1,90) |
| Depressionsdiagnose, verinnerlichtes Stigma (Odds Ratio) | 1,44 (KI 1,29 bis 1,62) | 1,20 (KI 1,09 bis 1,33) |
Seltene und häufige Bewältigung sind das 14. und das 84. Perzentil des Bewältigungswerts. Beim Schweregrad der depressiven Symptome veränderte Bewältigung den Zusammenhang nicht.
Genau lesen
Es ist eine Querschnittsbefragung, sie kann nicht sagen, was was verursacht. Die Autorinnen schreiben das in ihren Einschränkungen selbst. Ihre Diskussion sagt trotzdem, Stigma bedeute ein „unabhängiges Risiko“ über den BMI hinaus. Die Daten zeigen einen Zusammenhang, der die Bereinigung um den BMI übersteht; die ursächliche Formulierung geht weiter, als das Design trägt. Meiner Lesart nach ist es genauso möglich, dass Menschen mit Depression mehr Stigma erinnern oder berichten; das Design kann beides nicht trennen.
Die Bewältigungsbefunde sind klein und nicht für Mehrfachtests korrigiert. Die Autorinnen sagen, sie hätten die Signifikanzniveaus bewusst nicht angepasst, damit Folgearbeiten mehr Ansatzpunkte haben. Einer der Interaktionsterme für die Diagnose liegt bei p = ,049, also grenzwertig. Außerdem schreiben sie, die Effekte seien klein und die „praktische Bedeutung“ müsse geprüft werden. Ich lese das Bewältigungsergebnis als Spur, nicht als Befund.
Das Bewältigungsmaß ist selbst gebaut und nicht validiert. Eine der sechs Aussagen lautet „Härter arbeiten, um die anderen zu widerlegen“; ob das schützt oder belastet, kann diese Befragung nicht sagen. Das ist meine Beobachtung, nicht die der Autorinnen. Sie konnten auch nicht erklären, warum Bewältigung bei zwei Ergebnissen eine Rolle spielte und beim Schweregrad der Symptome nicht.
Die Maße für psychische Gesundheit sind kurze Screenings. Zwei-Item-Skalen und eine Diagnosefrage erfassen wenig. Die Diagnosefrage fragt nach „je diagnostiziert“, sagt also nichts über den Zeitpunkt im Verhältnis zum Stigma. Der Text beschreibt die Antwortstufen des PHQ-2 mit 0, 2, 3 und 4, was nicht den angegebenen Bereich 0 bis 6 ergäbe; das wirkt wie ein Tippfehler, und ich nenne über den berichteten Mittelwert hinaus keine PHQ-2-Zahlen.
Fehlende Daten und Ausschlüsse. Bei 76 Befragten fehlte das Einkommen, bei 73 davon „keine Angabe“, und das Fehlen war nicht zufällig; die Autorinnen prüften, dass es nicht mit den Ergebnissen zusammenhing, und ließen die Fälle weg. Kein großes Problem, aber nicht nichts.
Rahmung. Das Paper spricht von „überschüssigem Gewicht“ und „hohem Körpergewicht“. Ich berichte die Befunde, nicht diese Rahmung. Das Paper empfiehlt Programme zu Bewältigungsstrategien als künftige Arbeit. Ein Programm wurde hier nicht getestet, und dieser Artikel bewertet keine Behandlung und keine Intervention.
Die Autorinnen geben keine Interessenkonflikte an und eine Förderung zum Teil durch das College of Medicine der Florida State University, das nach ihren Angaben keine Rolle in der Studie hatte. Für das Manuskript wurde nach eigener Angabe keine generative KI verwendet.
Warum es hierher gehört
Viele Studien zu Gewichtsstigma stützen sich überwiegend auf weiße Stichproben; diese hier ist bewusst gemischt und findet in allen Gruppen dieselbe Richtung des Zusammenhangs. Das ist ein nützliches, enges Ergebnis. Der Bewältigungsteil ist eine Hypothese, die zu testen sich lohnt, kein Rat. Zu verwandten Studien in dieser Reihe siehe den USA-OBESTIGMA-Vergleich hispanischer, weißer und Schwarzer Erwachsener, der zeigt, wie oft jede Gruppe Stigma erlebt und verinnerlicht, und die Hongkonger Längsschnittstudie, die Menschen über die Zeit begleitet. Die Befragung ist rein US-amerikanisch und sagt nichts über Deutschland oder das Vereinigte Königreich.
Quelle: Gerend MA, Lu AW, Teets EL. „Weight stigma and mental health in a racially and ethnically diverse sample of US adults.“ Frontiers in Psychiatry 2025;16:1593145, veröffentlicht am 21. Juli 2025, doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1593145. Volltext gelesen am 6. Oktober 2026.

