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  • Schulungen ändern, was Studierende über dicke Patient:innen sagen. Nicht, was sie tun.

    Schulungen ändern, was Studierende über dicke Patient:innen sagen. Nicht, was sie tun.

    Es gibt eine tröstliche Erzählung über Gewichtsstigma in der Medizin, und sie geht so: Ärztinnen und Ärzte haben es nie anders gelernt, also bringen wir es ihnen bei. Ein Modul einbauen. Eine dicke Person einladen, die von ihren Erfahrungen erzählt. Die Evidenz zeigen, warum Körper verschieden sind. Die nächste Generation wird es besser machen.

    Jemand hat jetzt dreißig Jahre solcher Versuche zusammengezählt. Das Ergebnis ist nicht, dass sie scheitern. Es ist unangenehmer als Scheitern: Sie wirken auf den Teil, der leicht zu messen und leicht zu bedienen ist, und auf nichts anderes messbar.

    Was tatsächlich ausgezählt wurde

    Ravisha S. Jayawickrama und Kolleg:innen an der Curtin University in Perth, zusammen mit Mitautor:innen an der Monash University, der University of Leeds und der Schwedischen Sporthochschule GIH, haben 3.463 Fachartikel und Dissertationen gesichtet und 67 Studien gefunden, die eine Intervention gegen Gewichtsvorurteile bei Studierenden der Gesundheitsberufe geprüft haben. 35 davon lieferten genug Daten für eine statistische Zusammenfassung, der Rest wurde narrativ ausgewertet. Zusammen kommen sie auf 7.528 Teilnehmende, mehrheitlich Frauen (62 Prozent), Durchschnittsalter 22,75 Jahre, aus Studien von 1991 bis August 2023.

    Das ist keine Neuigkeit, und wir verkaufen es nicht als eine. Die Arbeit erschien online am 8. Oktober 2024 und im Februarheft 2025 von Obesity Reviews (26(2):e13847). Sie ist schlicht die vollständigste Antwort, die es derzeit auf eine Frage gibt, die jedes Mal gestellt wird, wenn eine Klinik einen Fortbildungstag ankündigt.

    Zwei Zahlen tragen die Arbeit.

    Explizite Vorurteile, also das, was Studierende im Fragebogen angeben, gingen etwas zurück. Der gepoolte Effekt beträgt g = −0,31, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von −0,43 bis −0,19. Auf Deutsch: eine kleine, aber statistisch verlässliche Verschiebung in die gewünschte Richtung.

    Implizite Vorurteile, also die automatische Assoziation, gemessen über einen Reaktionszeittest, bewegten sich nicht. g = −0,12, Konfidenzintervall −0,26 bis +0,02, p = 0,105, gepoolt aus zehn Studien. Das Intervall schließt die Null ein. Die Daten sind also mit einer kleinen Verbesserung vereinbar, mit gar keiner, und mit einer leichten Verschlechterung.

    Die Autor:innen bewerten die Sicherheit beider Ergebnisse nach dem üblichen GRADE-System als „sehr niedrig“. Sie halten außerdem fest, dass das Verzerrungsrisiko der meisten Einzelstudien hoch war. Das ist ihre eigene Einschätzung ihrer eigenen Datenlage, nicht unsere Zuspitzung.

    Der Satz, der öfter zitiert gehört als die Effektstärke

    In den Ergebnissen steht ein Vorhersageintervall für den Befund zu expliziten Vorurteilen: −0,93 bis +0,31.

    Ein Konfidenzintervall sagt, wie genau der Mittelwert über diese Studien geschätzt wurde. Ein Vorhersageintervall sagt, was von der nächsten zu erwarten ist. Hier heißt das: Wer eine solche Schulung mit einer neuen Gruppe von Studierenden durchführt, kann eine große Verbesserung bekommen, gar keine, oder eine moderate Zunahme der Vorurteile. So sieht eine Heterogenität von 74 Prozent aus, wenn man sie ausschreibt.

    Der gepoolte Wert ist also echt und gleichzeitig als Prognose für einen konkreten Kurs fast wertlos. Womit wir bei dem Befund wären, der die Kursplanung am meisten treffen sollte.

    Nichts am Kursdesign erklärt den Unterschied

    Das Team hat acht Untergruppenvergleiche für die expliziten Daten gerechnet: Fachrichtung, einmalig oder mehrfach, in Präsenz oder online, aktives oder passives Lernen, eindimensional oder mehrteilig, zugrunde liegende Theorie, verwendetes Messinstrument, und ob die Studierenden während der Intervention Kontakt zu einer tatsächlich dicken Person hatten, aktiv, passiv oder gar nicht.

    Kein einziger Vergleich wurde signifikant. Eine Meta-Regression über den Männeranteil ebenfalls nicht.

    Die ehrliche Lesart ist nicht „das ist alles egal“. Bei so wenigen Studien je Zelle hätte die Analyse auch mittlere Unterschiede nicht sicher gefunden, und die Autor:innen sagen das selbst: Mit bloßem Auge sehen mehrteilige, mehrfach durchgeführte und aktivierende Formate besser aus, aber die Vergleichsgruppen sind zu klein, um sich darauf zu verlassen. Was bleibt, ist enger und trotzdem unbequem: Nach dreißig Jahren unterschiedlichster Formate gibt es keine Evidenz, die jemandem sagt, welches Format er einkaufen soll. Eine Klinik, die zwischen einem zweistündigen E-Learning und einem Semestercurriculum mit Betroffenenvortrag wählt, entscheidet nach Gefühl.

    Und es bleibt nicht

    Nur 10 der 67 Studien haben überhaupt über das Ende der Intervention hinaus nachgemessen.

    Das Beispiel, das die Autor:innen hervorheben, ist eine Studie von Kushner und Kolleg:innen mit 127 Medizinstudierenden. Empathie und Zutrauen in die Interaktion mit dicken Patient:innen waren ein Jahr später noch verbessert. Die negativen Stereotype über dicke Patient:innen waren auf den Ausgangswert zurückgekehrt.

    Dieses Muster lohnt es, genau zu benennen, weil man es leicht falsch herum erinnert: Was der behandelnden Person ein gutes Gefühl gab, blieb. Was die Patientin beschreibt, blieb nicht.

    Was der Fragebogen wirklich misst

    Explizite Vorurteile heißt in diesen Studien: ein Punktwert auf Instrumenten wie der Beliefs About Obese Persons Scale, dem Antifat Attitudes Test oder der Fat Phobia Scale. Studierende kreuzen an, ob dicke Menschen faul sind oder ob Gewicht in der eigenen Hand liegt.

    Nur vier der 35 gepoolten Studien haben geprüft, ob die Befragten schlicht die erwünschte Antwort gegeben haben. Die Befunde dieser vier waren gemischt, und in einer davon verschwand der Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe vollständig, sobald man für sozial erwünschtes Antworten kontrollierte. Die Autor:innen überinterpretieren vier Studien nicht, und wir tun es auch nicht. Aber es bedeutet: Die naheliegendste Alternativerklärung für eine kleine Verbesserung im Fragebogen nach einem Kurs, nämlich dass Studierende gelernt haben, was man ankreuzt, ist kaum untersucht.

    Das implizite Maß hat sein eigenes Problem, und die Arbeit verschweigt es nicht. Zwölf der dreizehn Studien zu impliziten Vorurteilen nutzten den Impliziten Assoziationstest, und die Autor:innen zitieren die stehende Kritik daran, unter anderem Ulrich Schimmacks Argument, die Konstruktvalidität des IAT sei nicht belegt.

    Zusammen ergibt das den tatsächlichen Wissensstand. Das erste Instrument misst, was jemand zu sagen bereit ist. Das zweite misst eine Reaktionszeit, deren Bedeutung umstritten ist. Fast nichts misst, was später mit einer Patientin passiert. Genau das fordern die Autor:innen ein: Studien, die stigmatisierendes Verhalten erfassen, nicht nur Einstellungen.

    Wer hier spricht, und warum man das wissen sollte

    Obesity Reviews ist die Zeitschrift der World Obesity Federation, und die Arbeit ist aus diesem Rahmen heraus geschrieben. Sie beginnt mit der Prognose der Federation, bis 2035 würden rund 51 Prozent der Menschen ab fünf Jahren mit Übergewicht oder Adipositas leben, spricht durchgehend von „Menschen, die mit Übergewicht oder Adipositas leben“, und begründet den Abbau von Vorurteilen unter anderem damit, dass Stigma die Erkrankung verschlechtert, an die es geknüpft ist.

    Wir verlinken sie trotzdem, weil die Analyse sorgfältig ist und Zahlen Zahlen bleiben. Aber die Leserinnen und Leser sollen den Rahmen kennen, und sie sollen die erklärten Interessen kennen: Mitautor Stuart W. Flint gibt Forschungsmittel und Reisekostenunterstützung unter anderem von Novo Nordisk, der Novo Nordisk Foundation und Johnson & Johnson an, jeweils erklärt als ohne Bezug zu diesem Manuskript, und Mitautor Erik Hemmingsson gibt Autorenhonorare für ein Buch über Gewichtsstigma an. Die Erstautorin und fünf weitere erklären keine Interessenkonflikte.

    Nichts davon entwertet eine Metaanalyse. Es heißt aber: Wenn eine Arbeit aus dem Krankheitsrahmen heraus berichtet, dass Anti-Bias-Schulungen kaum wirken, ist das nicht der Befund, den ihr institutioneller Kontext sich gewünscht hätte.

    Deutschland hat daraus gerade ein „soll“ gemacht

    Im Oktober 2024 hat die Deutsche Adipositas-Gesellschaft mit den beteiligten Fachgesellschaften die Version 5.0 der S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas veröffentlicht (AWMF-Register 050/001). Sie enthält erstmals ein eigenes Kapitel „Stigmatisierung“, und darin die Empfehlung 2.4:

    „Ausbildungscurricula für die mit der Prävention und Therapie betrauten Gesundheitsberufe sollen nicht nur über die Ätiologie, Mechanismen, Prävention und Behandlung der Adipositas informieren, sondern auch über die gewichtsbezogene Stigmatisierung und Selbststigmatisierung sowie deren klinische Implikationen aufklären und praktische Fertigkeiten für einen nicht-stigmatisierenden Umgang mit Menschen mit Adipositas vermitteln.“

    Empfehlungsgrad A, das stärkste „soll“, das dieses System kennt, beschlossen mit 94 Prozent Zustimmung. Die Evidenzqualität, die direkt darunter gedruckt ist, lautet „sehr niedrig“, auf Basis indirekter Evidenz.

    Die Leitlinie verschweigt das nicht. In ihrem eigenen Implikationsteil steht, zur Reduktion öffentlicher gewichtsbezogener Stigmatisierung in Gesundheitsberufen lägen „vielversprechende Ergebnisse für zumindest kleine, kurzfristige Verbesserungen“ vor, und: „Sämtliche Meta-Analysen zur gewichtsbezogenen Stigmatisierung wiesen eine geringe methodische Qualität auf.“

    Deutschland verpflichtet seine Ausbildungscurricula also im höchsten Empfehlungsgrad auf eine Maßnahme, die die eigene Leitlinie als klein, kurzfristig und schwach belegt beschreibt. Das ist kein Skandal. Angesichts dessen, was Stigma Patientinnen und Patienten kostet, ist Handeln auf schwacher Evidenz vertretbar, und die Alternative, nämlich gar nichts zu lehren, ist seit hundert Jahren im Test und hat genau die Lage erzeugt, auf die die Leitlinie reagiert.

    Für Patient:innen bedeutet es trotzdem etwas Konkretes: Die Schulung ist ein Versprechen über deine Ärztin, das vor deiner Zeit gegeben wurde, und niemand prüft, ob es gehalten hat.

    Was dagegen überprüfbar ist

    Dasselbe Kapitel derselben Leitlinie enthält etwas, das man vom Wartezimmer aus kontrollieren kann. Empfehlung 2.2, beschlossen mit 88 Prozent Zustimmung, verlangt in Einrichtungen des Gesundheitswesens eine adäquate Ausstattung, ausdrücklich genannt werden Schwerlaststühle und Körperwaagen mit hinreichendem Wiegebereich, oder ein Netzwerk zur weiteren Versorgung.

    Das ist der Unterschied zwischen den beiden Sorten von Maßnahme. Ob eine Praxis einen Stuhl gekauft hat, der dich trägt, sieht man in zehn Sekunden. Ob die Person, die darauf sitzt, 2019 ein Anti-Bias-Modul absolviert hat, sieht man gar nicht, und es würde nach dieser Datenlage auch wenig aussagen.

    Deshalb läuft der praktische Teil dieses Magazins nicht über die Hoffnung, dass deine Ärztin gut geschult wurde:

    Der Punkt, der alle Einschränkungen überlebt

    Dreißig Jahre Lehre haben eine kleine, echte Verbesserung darin erzeugt, was Studierende der Gesundheitsberufe über dicke Menschen zu sagen bereit sind, keine messbare Veränderung ihrer automatischen Assoziationen, keine haltbare Veränderung der Stereotype nach einem Jahr, und fast keine Daten zum Verhalten.

    Schnell gelesen ist das ein Argument, Schulungen sein zu lassen. Ist es nicht. Eine kleine echte Reduktion expliziter Vorurteile, verteilt über alle, die in den nächsten vierzig Jahren behandeln werden, ist es wert, und die Alternative hat auch keine Evidenz hinter sich.

    Genau gelesen ist es ein Argument darüber, worauf man seine Erwartung stützt. Ein Kurs ist keine Sicherung. Er erzeugt einen Effekt, der sich für keinen einzelnen Jahrgang vorhersagen lässt, sich keinem bestimmten Format zuschreiben lässt und ausgerechnet auf dem Maß verblasst, das darüber entscheidet, wie mit dir geredet wird. Wenn das Ziel ist, dass dicke Menschen anständig behandelt werden, dann leisten das die Mechanismen, die noch stehen, wenn den Workshop alle vergessen haben: Ausstattung, die passt, Überweisungswege, Beschwerdewege, Dokumentation, und Regeln darüber, was im Behandlungszimmer gesagt und getan werden darf.

    Vorurteile sind offenbar in erster Linie kein Informationsdefizit. Man kann sie nicht wegerklären, und die Leute, die am gründlichsten dazu forschen, schreiben genau das in ihr eigenes Fazit: Eine echte Verschiebung impliziter Vorurteile werde vielleicht erst aus einem großen gesellschaftlichen Wandel in den Überzeugungen und Einstellungen gegenüber Menschen in größeren Körpern kommen. Das ist eine längere Aufgabe als ein Modul, und es ist die, für die es dieses Magazin gibt.


    Quellen: Jayawickrama RS, Hill B, O’Connor M, Flint SW, Hemmingsson E, Ellis LR, Du Y, Lawrence BJ. „Efficacy of interventions aimed at reducing explicit and implicit weight bias in healthcare students: A systematic review and meta-analysis.“ Obesity Reviews 26(2):e13847, online veröffentlicht am 8. Oktober 2024, DOI 10.1111/obr.13847, Open Access: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11711078/ · PROSPERO-Registrierung CRD42020209407 · Deutsche Adipositas-Gesellschaft u. a., „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas“, AWMF-Register 050/001, Version 5.0, Oktober 2024, Kapitel 2 „Stigmatisierung“, Empfehlungen 2.1 bis 2.4 und Abschnitt 2.4 „Implikationen“: https://register.awmf.org/assets/guidelines/050-001l_S3_Praevention-Therapie-Adipositas_2024-10.pdf

  • Minneapolis schützt dich davor, als dick zu gelten. Nicht vor dem Abnehmprogramm im Betrieb.

    Minneapolis schützt dich davor, als dick zu gelten. Nicht vor dem Abnehmprogramm im Betrieb.

    Seit dem 1. August 2025 gehören Körpergröße und Körpergewicht zu den geschützten Merkmalen der Antidiskriminierungssatzung von Minneapolis. Der Stadtrat hatte die Änderungen am 1. Mai einstimmig beschlossen, Bürgermeister Jacob Frey hat sie am 5. Mai genehmigt (Ordinance No. 2025-022), und am Tag des Inkrafttretens teilte die Stadt mit, dass fortan alle, die in Minneapolis leben, arbeiten oder zu Besuch sind, in Beschäftigung, Wohnen, Bildung, Geschäftsverkehr, Berufsorganisationen, öffentlich zugänglichen Einrichtungen und öffentlichen Diensten geschützt sind.

    Das lohnt sich ein Jahr später zu berichten und nicht am Tag der Verkündung, weil zwei Details erst sichtbar werden, wenn man den Text neben die Erklärung legt, die die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern dazu gibt. Das eine ist besser als fast alles, was sonst in diesem Bereich existiert. Das andere ist der Grund für diesen Artikel.

    Der gute Teil: geschützt ist die Zuschreibung, nicht die Zahl

    Rechtsschutz für dicke Menschen läuft fast überall über eine Diagnose. Man bekommt Ansprüche in dem Maß, in dem man sich als beeinträchtigt, gestört oder krank beschreiben lässt. Über diesen Handel haben wir in Wenn die Welt nicht für dich gebaut ist: Gewichtsdiskriminierung und was du tun kannst geschrieben, und er ist die zentrale Schwäche des Behinderungswegs.

    Minneapolis macht das nicht. Die städtische Seite zu den geschützten Merkmalen definiert schlicht: Größe heißt, wie groß du bist, Gewicht heißt, wie viel du wiegst, und das umfasst sowohl tatsächliche Zahlen als auch, wie andere dich sehen, etwa als groß oder klein, schwer oder leicht.

    Die zweite Hälfte ist die entscheidende, und sie steht im Satzungstext selbst. Die Definition lautet in der Fassung, die die Kanzlei Ogletree Deakins aus der unterzeichneten Änderung zitiert: „A numerical measurement of body height, body weight, or body size. Height encompasses, but is not limited to, an impression of a person as tall or short, regardless of numerical measurement. Weight encompasses, but is not limited to, an impression of a person’s weight (fat, thin, etc.), regardless of numerical measurement.“ Also: geschützt ist auch der Eindruck, jemand sei dick oder dünn, unabhängig von jeder Zahl. Arbeitsrechtliche Analysen ziehen daraus die Folge, dass künftige Verfahren der aus dem US-Behindertenrecht bekannten „regarded as“-Prüfung ähneln dürften, die Ansprüche auf zugeschriebenen statt tatsächlichen Status stützt.

    Das ist deshalb wichtig, weil Diskriminierung keine Waage befragt. Niemand wird an einem BMI-Grenzwert abgelehnt. Abgelehnt wird, wer im Raum als faul, ungesund, nicht repräsentativ oder „nicht passend“ gilt. Der Schaden hängt an der Zuschreibung, und Minneapolis hat den Schutz ebenfalls an die Zuschreibung gehängt. Michigan, das Gewicht seit 1977 schützt, und New York City, das es 2023 ergänzt hat, schützen das Merkmal. Minneapolis schützt auch, so gesehen zu werden.

    Der Teil, der einen guten Teil davon wieder einkassiert

    Dieselben Änderungen enthalten eine Ausnahme. Nach arbeitsrechtlichen Analysen der unterzeichneten Satzung verdrängen die Schutzvorschriften zu Größe und Gewicht nicht das Handeln eines Arbeitgebers, mit dem er anderes Bundes-, Landes- oder Kommunalrecht befolgt. Und die Satzung stellt ausdrücklich klar, dass sie es erfassten Stellen nicht verbietet, freiwillige Wellness-Programme mit Anreizen anzubieten, die ein „gesundes Gewichtsmanagement“ fördern.

    Beide Sätze zusammengelesen: Ein Arbeitgeber in Minneapolis darf dich nicht schlechter behandeln, weil er dich für dick hält. Derselbe Arbeitgeber darf Geld daran knüpfen, dass du weniger dick wirst, als Zusatzleistung, auf freiwilliger Basis, mit ausdrücklichem Segen der Stadt.

    Die unterzeichnete Satzung als PDF konnten wir auf dem Dokumentenserver der Stadt nicht öffnen, er ist durch eine Bot-Prüfung gesichert, die den direkten Abruf blockiert. Diese Klausel steht hier deshalb auf der Autorität zweier unabhängiger Kanzlei-Analysen, die im Abstand von drei Wochen erschienen sind und beide auf das Dokument verlinken: Stinson LLP schreibt, die Satzung stelle klar, dass sie erfassten Stellen nicht verbiete, „voluntary wellness program incentives that promote healthy weight management“ anzubieten, und Saul Ewing schreibt, Arbeitgeber dürften „incentives supporting weight management as part of a voluntary program“ anbieten, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Direkt prüfen konnten wir die andere Hälfte des Befunds: Die öffentliche Seite der Stadt zu den geschützten Merkmalen, also die Seite, auf der eine normale Einwohnerin nachliest, was das Gesetz jetzt für sie tut, nennt die Ausnahmen für wesentliche Tätigkeiten, unzumutbare Härte und unmittelbare Gefährdung. Die Wellness-Ausnahme nennt sie überhaupt nicht.

    Warum das keine Formalie ist

    Ein Diskriminierungsmerkmal sagt etwas Bestimmtes: Diese Eigenschaft ist kein legitimer Grund, Menschen unterschiedlich zu behandeln, und sie ist nichts, was Menschen ändern können oder ändern sollen müssen. Genau diese Definition benutzt Minneapolis selbst. Ein betrieblicher Anreiz für „gesundes Gewichtsmanagement“ sagt das Gegenteil, im selben Haus, vom selben Arbeitgeber, mit Geld dahinter.

    Die beiden Botschaften heben sich nicht sauber auf. Wer das Anreizprogramm auflegt, entscheidet später, ob du „passt“. „Freiwillig“ trägt in diesem Satz viel Gewicht, und es trägt es in einem Raum, in dem eine Seite das Gehalt festsetzt.

    Es gibt einen nachvollziehbaren Grund für die Ausnahme, und er ist nicht versteckt: Betriebliche Wellness-Programme unterliegen in den USA einem dichten Geflecht bundesrechtlicher Regeln, und eine Stadtsatzung, die sie rechtswidrig machte, brächte Arbeitgeber in Konflikt mit Recht, aus dem sie nicht aussteigen können. Die Satzung sagt das in ihrer eigenen Befolgungsklausel. Das erklärt die Ausnahme. Es löst den Widerspruch nicht auf, es verschiebt ihn: Die Stadt hat das Merkmal geschützt, so weit Stadtrecht reicht, und die Anreizstruktur sitzt in dem Teil, den es nicht erreicht.

    Was Minneapolis wirklich bringt, und wo es endet

    Größe und Gewicht dürfen weiterhin berücksichtigt werden, wenn eine Person nicht ohne Änderung des eigentlichen Zwecks eines Programms oder Dienstes berücksichtigt werden kann oder wenn Gesundheit oder Sicherheit gefährdet wären. Arbeitgeber haben zusätzlich eine Verteidigung, wenn Größe oder Gewicht der Ausübung wesentlicher Tätigkeiten entgegenstehen, wenn ein Ausgleich eine unzumutbare Härte wäre oder wenn eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit oder Sicherheit besteht. Das sind übliche Grenzen, dieselben, die auch das Behindertenrecht kennt.

    Bemerkenswert ist die Reichweite. Minneapolis erfasst Beschäftigung, Wohnen, Bildung, Geschäftsverkehr, Berufsorganisationen, öffentlich zugängliche Einrichtungen und öffentliche Dienste und gilt für jeden Arbeitgeber, dessen Beschäftigte Leistungen in der Stadt erbringen, unabhängig davon, wo der Arbeitgeber sitzt. Damit reiht sich Minneapolis neben Michigan, New York City, Washington DC, San Francisco, Santa Cruz, Madison, Urbana und Binghamton in eine kurze Liste ein.

    Die deutsche Frage, die sich dadurch früh stellt

    Deutschland hat gar kein Gewichtsmerkmal. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz führt Körpergewicht nicht auf, dicke Menschen argumentieren hierzulande über Behinderung, über allgemeines Zivilrecht oder gar nicht. Ein Antrag, Körpergewicht unter anderen Merkmalen aufzunehmen, hatte im Juni 2026 seine erste Lesung im Bundestag (Drucksache 21/4538, eingebracht von der Oppositionsfraktion Die Linke). Das ist ein Vorschlag, kein Gesetz, und wir haben ihn bei seiner Einbringung behandelt.

    Minneapolis macht eine Frage jetzt lohnend, die sonst erst später käme. Deutschland müsste eine betriebliche Gewichtsanreiz-Struktur nicht erst erfinden, es hat sie bereits, im Gesetz. Nach § 20b Absatz 1 SGB V fördern die Krankenkassen mit Leistungen der betrieblichen Gesundheitsförderung „insbesondere den Aufbau und die Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen“ im Betrieb. Und § 65a Absatz 2 SGB V lautet im Wortlaut: „Die Krankenkasse soll in ihrer Satzung auch vorsehen, dass bei Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung durch Arbeitgeber sowohl der Arbeitgeber als auch die teilnehmenden Versicherten einen Bonus erhalten.“

    Ob ein konkretes Programm auf Gewicht zielt, ist eine Frage der Programmgestaltung, nicht des Gesetzes, und wir behaupten nicht, das Gesetz schreibe es vor. Der Punkt ist struktureller Natur. Würde Körpergewicht ins AGG aufgenommen, träfe es auf ein gefördertes, gesetzlich verankertes System arbeitgeberseitiger Gesundheitsanreize, das bisher niemand gegen ein Gewichtsmerkmal prüfen musste, weil es kein Gewichtsmerkmal gibt, gegen das man prüfen könnte. Minneapolis musste diese Frage beantworten und hat sie mit einer Ausnahme beantwortet. Deutschland müsste sie ebenfalls beantworten, und der Zeitpunkt dafür ist, solange am Text noch geschrieben wird.

    Wenn dich das gerade betrifft

    Ein Gesetz, das Diskriminierung verbietet, weil jemand als dick gilt, und in der nächsten Klausel das Programm schützt, das dafür bezahlt, weniger dick zu werden, ist kein Fehlschlag. Es ist ein gutes Gesetz, in dem die Form des Problems noch sichtbar ist. Diese Form gehört benannt, bevor die nächste Stadt den Text abschreibt.


    Quellen: Stadt Minneapolis, „Minneapolis expands anti-discrimination protections in Civil Rights Ordinance“, 01.08.2025, https://www.minneapolismn.gov/news/2025/august/new-civil-rights-protections · Stadt Minneapolis, Department of Civil Rights, „Protected classes“, abgerufen 15.08.2026, https://www.minneapolismn.gov/government/departments/civil-rights/complaint-investigations/protected-class · Stinson LLP, „Minneapolis Amends Its Civil Rights Ordinance to Expand Protections in Employment Decisions“, 16.06.2025, https://www.stinson.com/newsroom-publications-minneapolis-amends-its-civil-rights-ordinance-to-expand-protections-in-employment-decisions · Saul Ewing LLP, „Minneapolis Expands Anti-discrimination Ordinance“, 12.06.2025, https://www.saul.com/insights/blog/minneapolis-expands-anti-discrimination-ordinance · Ogletree Deakins, „Local Politics Makes a Big Splash“, 17.06.2025 (zitiert die Satzungsdefinitionen), https://ogletree.com/insights-resources/blog-posts/local-politics-makes-a-big-splash-amendments-to-minneapolis-civil-rights-ordinance-provide-further-protection/ · Jackson Lewis P.C., „Minneapolis Anti-Discrimination Law Revised“, 22.05.2025 · Unterzeichnete Satzung Ordinance No. 2025-022, Legislative Information System der Stadt Minneapolis, Dokument 39068 (von allen vier Kanzleien verlinkt, direkt nicht abrufbar, der Server antwortet mit einer Bot-Prüfung) · Elliott-Larsen Civil Rights Act, Act 453 of 1976 · NYC Local Law 61 of 2023 · Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4538, erste Lesung Juni 2026 · SGB V § 20b und § 65a, https://dejure.org/gesetze/SGB_V/65a.html

  • Abnehmen schützt dich nicht. Es verschiebt nur den Vorwurf.

    Abnehmen schützt dich nicht. Es verschiebt nur den Vorwurf.

    Ein randomisiertes Experiment mit 1.313 Teilnehmenden hat geprüft, wie Menschen jemanden bewerten, der mit einem GLP-1 abgenommen hat, jemanden, der es mit Diät und Sport getan hat, und jemanden, der gar nicht abgenommen hat. Am schlechtesten kam die Person mit dem Medikament weg. Was die Studie zeigt, und wo ihre Zahlen dünner sind als die Schlagzeilen.

    In jedem Gespräch über Gewichtsabnahme steckt ein Versprechen: Tu das, und die Leute behandeln dich anders. Eine Studie, die am 3. April 2026 im International Journal of Obesity erschienen ist, hat dieses Versprechen in ein Experiment übersetzt. Es hat den Test nicht überstanden.

    Erin Standen (Rice University), Sean Phelan (Mayo Clinic) und Janet Tomiyama (UCLA) haben zwei randomisierte Experimente im Between-Subjects-Design durchgeführt. Die Teilnehmenden lasen eine kurze Beschreibung einer erfundenen Person und bewerteten sie anschließend. Zwischen den Gruppen unterschied sich nur eines: wie die Gewichtsgeschichte dieser Person beschrieben war.

    Was die Teilnehmenden tatsächlich gelesen haben

    In beiden Studien war die fiktive Person dieselbe: 38 Jahre alt, Hochschulabschluss, Geschlecht bewusst offen gelassen, seit der Pubertät adipös, aktuell rund 100 Kilogramm (220 Pfund). Die Autorinnen und Autoren geben an, diese Angaben an einer durchschnittlich alten, durchschnittlich schweren erwachsenen Person in den USA mit dem häufigsten Erkrankungsbeginn ausgerichtet zu haben.

    Studie 1 (N = 607, im Oktober 2024 über Prolific rekrutiert) teilte die Teilnehmenden in drei Gruppen. Die beschriebene Person hatte im vergangenen Jahr entweder rund 16 Kilogramm (35 Pfund) mit einem GLP-1-Medikament abgenommen, dieselben 16 Kilogramm mit Diät und Sport, oder gar nicht abgenommen. In beiden Abnehm-Bedingungen stand zusätzlich, die Person sei nicht mehr in der BMI-Kategorie „adipös“.

    Studie 2 (N = 706, Februar 2025, ohne Überschneidung mit Studie 1) hatte vier Gruppen: Gewicht nach Absetzen eines GLP-1 wieder zugenommen, Gewicht nach Abbruch von Diät und Sport wieder zugenommen, nie abgenommen, oder abgenommen und das Gewicht gehalten, ohne Angabe der Methode.

    Danach bewerteten die Teilnehmenden die Person auf einer Skala von 1 bis 7 anhand von zehn positiven Eigenschaften (ehrlich, großzügig, gesellig, produktiv, organisiert, freundlich, aufgeschlossen, intelligent, warmherzig, humorvoll) und acht negativen (faul, undiszipliniert, maßlos, unsauber, willensschwach, schlampig, unsicher, träge), bewerteten getrennt davon „ungesund“, und beantworteten sechs Fragen dazu, ob sie überhaupt etwas mit dieser Person zu tun haben wollten, angelehnt an den Interpersonal Attraction Questionnaire. Studienmaterial und anonymisierte Daten liegen öffentlich auf OSF.

    Was herauskam

    Gegen die Diät-und-Sport-Variante derselben Person verlor die GLP-1-Variante auf jeder einzelnen Messung: weniger positive Eigenschaften, mehr negative, als ungesünder eingeschätzt, sozial weniger erwünscht (alle Tukey-HSD-Werte p < 0,001).

    Dann kam der Befund, der die Pressemeldungen füllte. Die Forschenden hatten vorhergesagt, dass die Person, die gar nicht abgenommen hat, am härtesten bewertet würde. Genau das trat nicht ein. Im Vergleich zur GLP-1-Person wurde die Person, die nie abgenommen hatte, höher in positiven Eigenschaften bewertet (p = 0,003), und die Teilnehmenden wollten eher Zeit mit ihr verbringen. Bei der Bereitschaft zum Kontakt unterschieden sich alle drei Gruppen voneinander: Diät und Sport 5,51, kein Gewichtsverlust 5,25, GLP-1 4,99, auf einer Siebenerskala (F(2, 603) = 12,54, p < 0,001).

    Im Klartext: In diesem Experiment kostete das Medikament mehr sozialen Stand als dick zu bleiben.

    Wo die Zahlen dünner sind als die Schlagzeile

    Zwei Dinge gehen verloren, wenn man diese Studie in einen Satz presst, und beide sind wichtig.

    Erstens ist der Befund „schlechter bewertet als ohne Gewichtsverlust“ enger, als er klingt. Er gilt für die positiven Eigenschaften und für die Kontaktbereitschaft. Er gilt nicht für die negativen Eigenschaften, und er gilt nicht für „ungesund“: Auf beidem wurden die GLP-1-Person und die Person ohne Gewichtsverlust gleich bewertet (jeweils p = 0,26). Die Teilnehmenden hielten die Medikamenten-Person also nicht für fauler oder kränker als eine dicke Person, die nichts getan hat. Sie mochten sie nur weniger und sprachen ihr weniger gute Eigenschaften zu.

    Zweitens sind die Effekte klein. Der Abstand in der Kontaktbereitschaft zwischen der GLP-1-Person und der Person ohne Gewichtsverlust betrug 0,26 Punkte auf einer Skala von 1 bis 7, mit einem Konfidenzintervall von 0,02 bis 0,51, also gerade eben an der Null vorbei. Die Effektstärke des Gesamtmodells lag bei ηp² = 0,04 in Studie 1 und 0,01 in Studie 2. Das sind echte, statistisch signifikante Unterschiede, und es sind keine großen.

    Drittens, und das schreiben die Forschenden selbst als Einschränkung: Die Teilnehmenden bewerteten einen Absatz über eine Person, die es nicht gibt. Dieses Design kauft saubere Kausalaussagen und bezahlt sie mit Künstlichkeit. Alle Teilnehmenden waren Erwachsene in den USA, rekrutiert über eine Online-Umfrageplattform. Für Deutschland ist hier nichts gezeigt, und über tatsächliches Verhalten gegenüber tatsächlichen Menschen ist hier nichts gemessen.

    Der Teil, den niemand zitiert hat

    Studie 2 ist die interessantere Hälfte, und sie kam in der Berichterstattung praktisch nicht vor.

    Sobald das Gewicht zurück war, verschwand der Unterschied zwischen Medikament und Diät vollständig. Die Teilnehmenden bewerteten die Person, die nach einem GLP-1 wieder zugenommen hatte, genauso wie die Person, die nach einer Diät wieder zugenommen hatte: kein Unterschied bei positiven Eigenschaften, negativen Eigenschaften oder Ungesundheit (p > 0,55). Einen deutlichen Unterschied erzeugte die Wiederzunahme selbst: Beide Wiederzunahme-Gruppen wurden signifikant höher in negativen Eigenschaften und als ungesünder bewertet als die Person, die abgenommen und das Gewicht gehalten hatte (p < 0,001).

    Der Aufschlag für den „einfachen Weg“ hängt also am andauernden Zustand, die Abkürzung genommen zu haben. Sobald man wieder dick ist, interessiert niemanden mehr, wie man kurzzeitig aufgehört hat, dick zu sein. Man ist einfach zurück im alten Vorwurf.

    Ein Wort, das wir nicht übernehmen

    Die Pressemeldung der Rice University nennt das „das GLP-1-Paradox“. In der Studie selbst kommt das Wort „Paradox“ kein einziges Mal vor. Es ist ein nachträglicher Rahmen, und es ist der falsche, weil er nahelegt, hier sei etwas Widersprüchliches passiert. Es ist nichts Widersprüchliches passiert.

    Man muss sich nur ansehen, was die Eigenschaftsliste misst: faul, undiszipliniert, maßlos, willensschwach. Das ist keine Liste von Dingen, die Menschen über dicke Körper glauben. Das ist eine Liste von Dingen, die Menschen über dicken Charakter glauben. Das Urteil galt nie wirklich der Zahl auf der Waage. Es galt der Frage, ob du der Typ Mensch bist, der den harten Weg nimmt. Ein Medikament entfernt das Gewicht, ohne diesen Verdacht zu entfernen. Es bestätigt ihn. Genau deshalb schnitt die Diät-und-Sport-Variante derselben Person, mit demselben Körper, von allen dreien am besten ab.

    In einem Moralsystem, das Leiden belohnt, gibt es kein Paradox. Es gibt nur Konsequenz.

    Was daraus folgt

    Wir haben hier schon beschrieben, wie die Spritze die Scham verschiebt, statt sie aufzulösen, und wie sich der Zugang zu diesen Medikamenten an der Klassenlinie teilt. Diese Studie liefert das fehlende Stück: den direkten Vergleich mit der Möglichkeit, gar nicht abzunehmen. Und auf den Messungen, auf denen der Befund trägt, kam diese Möglichkeit besser weg.

    Das ist kein Argument für oder gegen irgendjemandes Medikament. Was jemand in seinen Körper tut, geht niemanden etwas an, und die Autorinnen und Autoren selbst schließen daraus, dass an der Stigmareduktion gearbeitet werden muss, nicht am Verhalten der Betroffenen. Es ist ein Argument gegen das Versprechen. Wer dir sagt, das Urteil höre auf, sobald das Gewicht aufhört, dem widerspricht die beste verfügbare experimentelle Evidenz. Es hört nicht auf. Es dockt neu an.

    Womit das, woran zu arbeiten wäre, nie der Körper war. Es ist der Maßstab, der an ihn gelegt wird.


    Quellen

    Zur Sprache: Die Studie verwendet durchgehend „higher-weight“ und BMI-Kategorien und behandelt Gewichtsabnahme als Gesundheitsziel. Wir zitieren ihre Befunde, nicht ihren Rahmen.

  • Adipositas.Camp 2026: Deutschlands größtes Treffen dicker Menschen, und was sein Name verrät

    Adipositas.Camp 2026: Deutschlands größtes Treffen dicker Menschen, und was sein Name verrät

    In acht Tagen findet in Frankfurt am Main die größte belegbare Zusammenkunft dicker Menschen in Deutschland statt. Sie dauert ein Wochenende, hat rund 30 Sessions, und das ermäßigte Ticket kostet 15 Euro. Sie heißt Adipositas.Camp.

    Das ist zuerst eine gute Nachricht. Es gibt diesen Ort, er ist billig, er ist bundesweit, und er behandelt Stigmatisierung und Gewichtsdiskriminierung als eigenes Thema, nicht als Randnotiz. Es ist auch eine Nachricht über den Zustand des Landes: Wer in Deutschland offline andere dicke Menschen treffen will, hat im Wesentlichen zwei Türen. Die eine ist mit Krankheit beschriftet, die andere mit Partnersuche. Eine dritte, in der dicke Menschen einfach eine soziale Gruppe sind, existiert bundesweit praktisch nicht.

    Was am 22. und 23. August in Frankfurt passiert

    Das Adipositas.Camp 2026 läuft am Samstag, 22. August, von 10 Uhr bis Sonntag, 23. August, 16 Uhr, im Saalbau Titus-Forum, Walter-Möller-Platz 2, 60439 Frankfurt am Main. Veranstalter ist die Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland e. V., kurz AcSD.

    Die Ankündigung beschreibt es als Treffpunkt für Menschen, die mit Adipositas leben, und für Leiterinnen und Leiter von Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland. Angekündigt sind insgesamt 30 Sessions, teilweise parallel, organisiert von der Selbsthilfe selbst und mit Fachleuten dort, wo es hilft. Inhaltlich nennt der Veranstalter drei Spuren: die medizinische Perspektive samt praktischer Umsetzung von Therapien, Ernährung und Bewegung; vertiefende Workshops zu Ursachen und Wirkmechanismen; und, wörtlich, für „gesellschaftlich Interessierte“ die Themen Stigmatisierung, Diskriminierung und Gesundheitspolitik.

    Die Preise, Stand heute:

    • Wochenende komplett: 29 Euro
    • Wochenende für Erstbesucherinnen („Neucamper“): 19 Euro
    • ganzer Samstag oder ganzer Sonntag: je 19 Euro
    • ermäßigtes Wochenendticket: 15 Euro, für Studierende und Bezieherinnen von Sozialleistungen, Nachweis beim Einlass

    Angemeldet wird über ein Formular auf der Veranstaltungsseite, verbindlich, und bestätigt wird in der Reihenfolge des Geldeingangs, solange Plätze frei sind.

    Zum Vergleich: Ein Wochenende mit 30 Sessions für 15 bis 29 Euro ist im deutschen Veranstaltungsbetrieb keine übliche Preislage. Das hier ist ehrenamtliche Arbeit, kein Kongressprodukt.

    Der Name ist kein Zufall, und er ist der eigentliche Punkt

    AcSD steht für Adipositaschirurgie Selbsthilfe Deutschland. Der Verein ist aus der Selbsthilfe nach bariatrischen Operationen entstanden, das Info-Portal der Website ist entsprechend aufgebaut: Magenband, Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass, Magenballon, Risiken, Nachsorge, Urteile der Sozialgerichte, Leitlinien.

    Das ist völlig konsistent mit dem Auftrag dieses Vereins. Und es prägt den Rahmen, in dem das Camp stattfindet. Die Camp-Ankündigung spricht von „dem Leben mit der Erkrankung“. Der erste inhaltliche Punkt der begleitenden Workshop-Reihe zu Gewichtsdiskriminierung lautet „Adipositas als Erkrankung“, danach kommt „Ordnung ins Begriffschaos“.

    Das ist keine Kritik am Verein. AcSD macht die Arbeit, die sonst niemand in dieser Größe macht, und tut dabei mehr gegen Gewichtsdiskriminierung als die meisten Verbände mit größerem Budget: Es gibt eine eigene Workshop-Reihe dazu, mit Rollenspielen, Kommunikationsübungen und Handlungsoptionen, und es gibt Ermäßigungstickets, damit Geld nicht die Zugangshürde ist.

    Die Frage ist nicht, was AcSD tut. Die Frage ist, warum es daneben nichts gibt.

    Denn der Rahmen hat Folgen. Wer den Satz „ich bin krank“ nicht über sich sagen will oder kann, betritt diesen Raum mit einer Vorbedingung, die andere nicht mitbringen müssen. Für einen Teil der Leute ist das gleichgültig oder sogar hilfreich, weil Anerkennung als Krankheit in Deutschland handfeste Dinge auslöst, von der Kostenübernahme bis zur Ernsthaftigkeit, mit der man in der Praxis behandelt wird. Für einen anderen Teil ist es genau die Zuschreibung, gegen die sie ihr halbes Leben argumentieren. Diese Menschen treffen offline niemanden.

    Was es sonst gibt

    Wir haben nachgesehen, statt es zu behaupten. Drei Dinge existieren, keines schließt die Lücke.

    Die Stammtische. Auf rubensfan.de, einer Singlebörse für mollige und übergewichtige Menschen, gibt es das lebendigste dicke Offline-Netz in Deutschland, das wir finden konnten. Im Forumsbereich „Treffen und Stammtische“ laufen fortlaufend echte Termine mit hohen Ordnungszahlen: der 30. Duisburger Stammtisch am 5. September 2026, der 121. und 123. Kölner Stammtisch, der 27. Mannheimer, der 4. Hamburger, das 10. Oberallgäuer Treffen, der 113. Stammtisch der Lindauer, dazu ein Spielestammtisch in Oberhausen mit Terminen im September, November und Dezember 2026. Das ist über Jahre gewachsene Infrastruktur, und sie ist offen. Sie ist aber auch das Nebenprodukt einer Dating-Plattform, deren Forum unter anderem eine Rubrik „Gewicht reduzieren“ führt. Ein Ort, an dem man sich als dicke Person politisch oder gesundheitspolitisch organisiert, ist das nicht, und will es nicht sein.

    Die queeren Räume in Berlin. Es gibt sie, und sie waren die ersten. Die SIEGESSÄULE beschrieb am 22. Januar 2019 eine ganze Szene: das „Fat Queer Hang Out“ im Projektraum H48 in Neukölln, jeden zweiten Dienstag im Monat, die Reihe „Reframe Fat, Reclaim Movement“ bei xart splitta e. V., die „Fat Live, Die Yum“-Dinner, das Fat Cabaret im Ballhaus Berlin. Wichtig: Dieser Bericht ist sieben Jahre alt. Wir haben nicht verifiziert, welche dieser Formate 2026 noch laufen, und behaupten es deshalb auch nicht. Fest steht: Es waren lokale Berliner Angebote, teils sehr klein, teils an einzelne Personen gebunden. Wer in Bremen oder Chemnitz lebt, hatte davon nichts.

    Der politische Verband. Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e. V. in Berlin ist der einzige deutsche Verband, der dicke Menschen explizit als Menschenrechtsthema behandelt und nicht als Diagnose. Sie fordert die Aufnahme des Merkmals Körpergewicht in § 1 AGG, außerdem niedrigere Hürden dafür, dass kleine Organisationen als Antidiskriminierungsverband nach § 23 AGG anerkannt werden, und einen zusätzlichen Sitz im Beirat der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

    Der Lobbyregister-Eintrag des Bundestages zeigt aber auch die Größenordnung dieser Gegenstimme. Für das Geschäftsjahr 2023 nennt der Eintrag 39 Mitglieder, ausschließlich natürliche Personen, Aufwendungen für Interessenvertretung zwischen 1 und 10.000 Euro und 0,00 Vollzeitäquivalente dafür. Die eine größere öffentliche Zuwendung, 70.001 bis 80.000 Euro von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Programm respekt*land, war zweckgebunden für die Entwicklung einer Fortbildung, mit der Antidiskriminierungsberatungsstellen für das Thema Gewichtsdiskriminierung qualifiziert werden. Seit dem 24. Oktober 2025 führt das Register den Verband als früheren Interessenvertreter. Was das intern bedeutet, wissen wir nicht, und wir behaupten nichts darüber; im Register erscheint er jedenfalls nicht mehr als aktiver Interessenvertreter.

    Ein Angebot dieses Verbands ist für Leserinnen dieses Textes das Naheliegendste, was es gerade gibt: eine kostenlose monatliche Online-Impulsveranstaltung als Vorgeschmack auf die Fortbildung. Belegt ist zum Beispiel der Termin am 23. Januar 2025, 18 bis 20 Uhr, „Gut behandelt? Gewichtsdiskriminierung in der Medizin“, kostenlos, Anmeldung per E-Mail an fortbildung@gewichtsdiskriminierung.de. Bemerkenswert daran ist der letzte Satz der Ankündigung: Nach dem Vortrag bleibt der Raum eine halbe Stunde länger offen, ausdrücklich für dicke und fette Menschen, die sich vernetzen wollen. Genau dieser halbstündige Rest ist in Deutschland das, was in den USA ein Verband mit Komitees und Jahresprogramm ist. Ob und wann die Reihe aktuell läuft, konnten wir heute nicht am Original prüfen; die Website war für uns nicht abrufbar. Die genannte Fortbildungsadresse ist der Weg, um zu fragen.

    Die Lücke, in Zahlen

    Ein bundesweites, gewichtsneutrales, nicht medizinisch gerahmtes und nicht auf Partnersuche ausgerichtetes Treffen dicker Menschen gibt es in Deutschland nach dieser Recherche nicht. Was es gibt, ist ein ehrenamtlicher Verein aus der Adipositaschirurgie mit 30 Sessions und Ermäßigungstickets, ein Dating-Forum mit hundertfünfzig Seiten Stammtischgeschichte, eine Berliner Szene mit unklarem aktuellem Stand und ein Verband mit 39 Mitgliedern und null Stellen.

    Das erklärt eine Menge darüber, warum die deutsche Debatte über dicke Körper so verlässlich in medizinischen Bahnen verläuft. Wer keine Räume hat, hat keine Sprecherinnen. Wer keine Sprecherinnen hat, wird von Fachgesellschaften vertreten. Und Fachgesellschaften sprechen über Patienten.

    Wenn Sie hingehen wollen

    Das Camp ist in acht Tagen. Was wir heute, am 14. August 2026, an der Quelle gesehen haben:

    • Adipositas.Camp 2026, 22. August 10 Uhr bis 23. August 16 Uhr, Saalbau Titus-Forum, Walter-Möller-Platz 2, 60439 Frankfurt am Main. 15 bis 29 Euro, Anmeldeformular auf der Veranstaltungsseite.
    • 26. Adipositastag, 31. Oktober 2026, 10 bis 18 Uhr, Frankfurt und online. Programm laut Website noch offen. Tickets vor Ort zwischen 7,50 Euro für Erstbesucherinnen und 24 Euro für die VIP-Kategorie, online zwischen 7,50 und 24 Euro.
    • „Gewichtsdiskriminierung, Nein Danke! … on Tour“, die Workshop-Reihe. Regionalworkshops in Kleingruppen sind für Berlin, Bremen, Köln, Leipzig, Nürnberg und Saarbrücken angekündigt, laut Website ab September, samstags von 10 bis 16 Uhr, 29 Euro pro Termin, ermäßigt 15 Euro, Kombiticket mit der Masterclass 39 Euro.

    Und jetzt der unangenehme Teil, den wir nicht verschweigen: Die Terminangaben dieser Reihe sind auf der Website nicht konsistent. Das Buchungsformular nennt bei zwei Städten konkrete Tage, Bremen den 13.9. und Saarbrücken den 27.9., beides ohne Jahr. Im Jahr 2026 fallen diese beiden Daten auf einen Sonntag, während der Text ausdrücklich Samstage ankündigt. Im Jahr 2025 waren beide Daten Samstage, und die Kampagnengrafik auf derselben Seite ist als Datei von 2025 hinterlegt. Ebenso nennt der Fließtext für die Masterclass „Sonntag 10. Mai“, während der Veranstaltungskalender desselben Vereins sie auf den 1. November 2026 legt.

    Unser Schluss daraus, offen gelegt: Verlässlich datierbar für 2026 sind das Camp am 22. und 23. August, der Adipositastag am 31. Oktober und die Masterclass am 1. November. Die Städtetermine der Regionalworkshops würden wir vor jeder Reisebuchung telefonisch oder per Mail bestätigen lassen. Das ist keine Nachlässigkeit eines Vereins, dem man das vorwerfen müsste, sondern das übliche Ergebnis davon, dass eine ehrenamtliche Struktur eine Website pflegen muss, für die andere Organisationen Stellen haben.

    Zum Schluss

    In diesem Text geht es an keiner Stelle darum, ob irgendjemand weniger wiegen sollte. Er handelt davon, dass es in einem Land mit 83 Millionen Einwohnern genau ein bundesweites Wochenende gibt, an dem dicke Menschen einander begegnen können, und dass die Eintrittskarte dafür durch die Sprache der Krankheit führt. Wer diese Sprache annehmen kann, findet dort ein günstiges, ernst gemeintes, von Ehrenamtlichen gebautes Angebot. Wer sie nicht annehmen kann, findet in Deutschland gerade nichts Vergleichbares. Wer in der Zwischenzeit eine gewichtsneutrale Praxis sucht, findet bei uns die Anleitung dazu.

    Dieser Text ist keine medizinische Beratung und keine Empfehlung für oder gegen eine Behandlung. Er beschreibt Veranstaltungen und ihren Rahmen.

    Quellen

    Alle Angaben zu Terminen und Preisen am 14. August 2026 an der Quelle geprüft.

  • Die Waage misst deinen Blutdruck mit

    Die Waage misst deinen Blutdruck mit

    Die Reihenfolge ist immer dieselbe. Jemand ruft deinen Namen auf, führt dich zur Waage, notiert eine Zahl, setzt dich hin und legt dir eine Manschette um den Arm. Erst das Gewicht, dann der Blutdruck. Für diese Reihenfolge gibt es keinen medizinischen Grund. So ist der Raum eingerichtet, mehr nicht.

    Ein neues Experiment legt nahe, dass die Reihenfolge einen Preis hat, und dass ihn ausgerechnet die Messung zahlt, auf die es ankommt.

    Was die Studie gemacht hat

    „Please step on the scale“: The experience of being weighed promotes sustained systolic blood pressure levels, von Angela C. Incollingo Rodriguez, L. S. Nunes und M. S. Kirschner, erschien 2026 als Online-Vorabveröffentlichung in der APA-Zeitschrift Stigma and Health (DOI 10.1037/sah0000690).

    190 Studierende durchliefen einen nachgestellten Arztbesuch. Alle gaben einen Ausgangswert für den Blutdruck und eine Speichelprobe ab. Danach wurden sie in drei Gruppen randomisiert. Eine Gruppe wurde direkt im Anschluss auf dem üblichen Weg gewogen, von einer Versuchsleiterin. Eine Gruppe wog sich allein in einem Raum selbst und tippte die Zahl in ein Formular. Eine Gruppe wurde überhaupt erst gewogen, nachdem alle anderen Messungen abgeschlossen waren. Zwanzig Minuten später wurden Blutdruck und Speichel erneut erhoben.

    Beide gewogenen Gruppen hielten ihren systolischen Blutdruck auf dem Ausgangsniveau. Bei der Gruppe, die nicht gewogen wurde, sank er im selben Zeitraum ab. Die Effektstärke lag bei Cohens f = .30.

    Das ist der Befund, und es lohnt sich, genau zu sagen, was er nicht ist. Beim diastolischen Blutdruck gab es keinen Unterschied. Beim Cortisol keinen. Beim selbstberichteten Stressempfinden keinen. Der Ausgangswert lag in allen drei Gruppen bereits leicht erhöht über 120 mmHg, was womöglich etwas darüber sagt, was allein das Betreten eines Labors oder einer Praxis auslöst.

    Die Autorinnen und Autoren fassen es so zusammen: Gewogen zu werden könne eine anhaltende Stressphysiologie über den systolischen Blutdruck begünstigen, unabhängig davon, wie das Gewicht erhoben wird. Selbst wiegen half nicht. Was hier passiert, hängt also nicht daran, wer das Klemmbrett hält.

    Der naheliegende Einwand, und warum er in die andere Richtung zeigt

    Der durchschnittliche BMI der Stichprobe lag bei 24,29. Die Teilnehmenden waren jung, überwiegend weiß und kamen aus vergleichsweise gut gestellten Verhältnissen. Die meisten waren nicht dick. Die Studie hat also nicht gemessen, was mit dicken Patientinnen und Patienten auf der Waage passiert.

    Das schreiben die Autorinnen und Autoren selbst und fügen einen Punkt an, der es in sich hat: Wenn die Stichprobe ein geringes Risiko hatte, auf einer Waage jemals stigmatisiert worden zu sein, dann ist ein trotzdem gefundener Effekt der strengere Test der Hypothese, nicht der schwächere. Für Menschen, die jahrzehntelang mit unaufgefordertem Kommentar gewogen wurden, ist nicht der kleinere Effekt zu erwarten.

    Sie erklären auch, warum sie nicht einfach dickere Teilnehmende rekrutiert haben. Menschen gezielt einer Situation auszusetzen, von der bekannt ist, dass sie ihnen zusetzt, wirft ein ethisches Problem auf, das sie nicht durchwinken wollten. Ihr Vorschlag ist die Replikation mit Teilnehmenden aus der Bevölkerung, direkt in realen Versorgungssituationen.

    Bis dahin ist das ein Experiment mit 190 Studierenden. Ein Grund hinzusehen, kein gesicherter Befund. Und der Volltext liegt hinter der Bezahlschranke des Verlags. Was hier zitiert wird, stammt aus dem veröffentlichten Abstract und dem Impact-Statement sowie aus den Schlussfolgerungen der Arbeit, die Ragen Chastain ausführlich wiedergibt, die die Erstautorin hat vortragen hören.

    Der Messfehler, der längst belegt ist

    Der Wiege-Effekt ist neu und nicht repliziert. Es gibt einen zweiten Fehler im selben Raum, der weder das eine noch das andere ist.

    2023 schickte eine randomisierte Crossover-Studie an der Johns Hopkins University 195 Erwachsene durch vier Runden Blutdruckmessung und variierte nur eines: die Manschette. Die Cuff(SZ)-Studie (JAMA Internal Medicine, DOI 10.1001/jamainternmed.2023.3264) fand: Wer eine große Manschette braucht und mit der Standardmanschette gemessen wird, bekommt einen systolischen Wert, der 4,8 mmHg zu hoch ist. Wer eine XL-Manschette braucht, bekommt mit der Standardmanschette einen Wert, der 19,5 mmHg zu hoch ist.

    Die zweite Zahl ist kein Rundungsfehler. In dieser Gruppe lag der Mittelwert mit der Standardmanschette bei 144/87 mmHg. Dieselben Menschen, gemessen mit der passenden Manschette, lagen im Mittel bei 125/79 mmHg. Nach US-Leitlinien ist der erste Wert Hypertonie Grad 2. Der zweite ist keine Hypertonie.

    Die Autorinnen und Autoren zeigen auch, wie groß das Problem ist. Eine landesweite US-Erhebung ergab, dass die Standardmanschette für 51 Prozent der Erwachsenen die richtige ist; 40 Prozent brauchen eine große. Die meisten Heimgeräte werden mit genau einer Manschette ausgeliefert, und es ist die Standardgröße.

    Legt man beide Befunde hintereinander, ergibt sich der normale Termin: Eine dicke Patientin wird gewogen, dann mit einer Manschette gemessen, die nicht passt, und der Wert landet in der Akte. Von dort wird er als Tatsache über ihren Körper gelesen.

    Was daraus folgt, und was nicht

    Nichts davon spricht gegen die Blutdruckmessung. Im Gegenteil. Der Blutdruck ist eines der wenigen billigen und wirklich nützlichen Dinge, die eine Praxis tut. Ein falscher Wert ist schlimmer als kein Wert, weil er als echt behandelt wird: weitere Untersuchungen, Medikamentenentscheidungen, eine Zeile in der Akte, die mitwandert und prägt, was die nächste Ärztin annimmt, bevor du etwas sagst.

    Drei Dinge folgen daraus.

    Die Reihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt. Die Studienautorinnen schlagen vor, den Blutdruck vor dem Wiegen zu messen oder das Wiegen ans Ende des Termins zu legen. Das kostet eine Praxis nichts.

    Die Manschette muss passen. Der Oberarmumfang wird mit einem Maßband auf halber Strecke zwischen Schulter und Ellenbogen gemessen, und danach wird die Manschette ausgewählt. Nach Augenmaß zu schätzen ist der Weg zu den 19,5 mmHg.

    Wiegen ist keine Automatik. Wo das Gewicht nicht für eine Dosierung, eine konkrete klinische Frage oder eine Verlaufskontrolle gebraucht wird, gibt es keinen Messgrund dafür. In den USA verkauft More-Love.org „Don’t Weigh Me“-Karten zum Abgeben am Empfang, gerade weil es schwer ist, das im Wartezimmer laut zu sagen.

    Was in Deutschland gilt

    § 630d BGB verpflichtet die behandelnde Seite, vor Durchführung einer medizinischen Maßnahme die Einwilligung der Patientin einzuholen. Absatz 3 stellt fest, dass diese Einwilligung jederzeit und ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen werden kann. Kernfall der Norm ist der Eingriff in Körper oder Gesundheit, und kein Gesetz klärt, ob ein Routine-Wiegen darunter fällt. Die Struktur des deutschen Behandlungsvertrags ist aber Einwilligung, nicht Gehorsam. Patientinnen stimmen Maßnahmen zu, sie werden ihnen nicht unterzogen. Zu bitten, die Waage auszulassen, mit dem Rücken zur Anzeige zu stehen oder die Manschettengröße zu prüfen, ist eine Bitte innerhalb dieser Struktur, keine Störung.

    § 630g BGB gibt dir das Recht, deine eigene Akte einzusehen. Gut zu wissen, auch wenn kaum je dokumentiert wird, mit welcher Manschette gemessen wurde.

    Worum du bitten kannst

    • Erst Blutdruck, dann Waage.
    • Oberarmumfang mit dem Maßband messen und die Manschette danach auswählen. Oberhalb von etwa 32 cm ist die Standardmanschette die falsche.
    • Bei einem hohen ersten Wert eine zweite Messung nach fünf Minuten im Sitzen.
    • Wenn das Gewicht keinem konkreten klinischen Zweck dient, sag, dass du darauf verzichten möchtest. Wenn es gebraucht wird, bitte darum, mit dem Rücken zur Anzeige zu stehen und die Zahl nicht genannt zu bekommen.

    Wenn eine Praxis darauf schlecht reagiert, steht in unserem Text darüber, was zu tun ist, wenn die Ärztin alles aufs Gewicht schiebt, wie es kurzfristig weitergeht. Unser Leitfaden zur Suche nach einer gewichtsneutralen Praxis beantwortet die langfristige Frage.

    Nichts davon handelt davon, ob irgendjemand weniger wiegen sollte. Es handelt davon, ob die Zahl in der Akte die Patientin beschreibt oder das Verfahren. Im Moment beschreibt sie manchmal das Verfahren.


    Dieser Artikel gibt keine medizinischen Ratschläge und empfiehlt weder für noch gegen eine Behandlung. Entscheidungen über Blutdruck, Medikamente und Kontrollen gehören dir und den Menschen, die dich behandeln.

  • Der erste Patient war 79, und niemand sagt, wer er ist

    Der erste Patient war 79, und niemand sagt, wer er ist

    Vorab: Dieser Artikel behandelt nicht, ob Retatrutid wirkt, und er ist keine Empfehlung für oder gegen ein Medikament. Es geht um die Frage davor. Wer entscheidet, wer vorne in einer Schlange stehen darf, die es offiziell noch gar nicht gibt?

    Was passiert ist

    Am 3. August 2026 bestätigte Eli Lilly, dass eine definierte Gruppe von Patientinnen und Patienten Frühzugang zu Retatrutid beantragen kann, einem Abnehmmittel, das die US-Arzneimittelbehörde FDA noch nicht zugelassen hat. Ein Unternehmenssprecher sagte Reuters, für „eine begrenzte Zahl von Patienten, die bestimmte medizinische Kriterien erfüllen und nicht an einer klinischen Studie teilnehmen können“, halte Lilly es für medizinisch angemessen, echtes Retatrutid vor der FDA-Zulassung verfügbar zu machen, im Einklang mit der FDA-Leitlinie. Man habe ein Expanded-Access-Programm aufgebaut und prüfe aktiv Anfragen von Behandelnden.

    Diese Ankündigung kam nicht von selbst. Sie kam nach vier Monaten Druck, und der Druck begann mit einem einzigen Patienten.

    Im April gewährte Lilly einem 79-jährigen Patienten Zugang zu Retatrutid im Einzelfall, Monate bevor es irgendeinen allgemeinen Rahmen dafür gab. STAT News berichtete darüber erstmals im Juni. Dem Bericht zufolge stellte eine leitende Ärztin oder ein leitender Arzt der National Institutes of Health den Antrag und führte therapierefraktäre Adipositas, obstruktive Schlafapnoe und pulmonale Hypertonie an.

    Dann wurde es politisch. STAT fragte im Weißen Haus nach, ob der Empfänger Präsident Donald Trump sei, der im Juni 80 wurde. Ein Sprecher erklärte, der Antrag habe nicht dem Präsidenten gegolten. Demokratische Abgeordnete verlangen seither Auskunft darüber, wer der Empfänger war. Nach dem Stand der Berichterstattung, den wir prüfen konnten, ist die Identität nicht offengelegt.

    Parallel dazu berichteten Ärztinnen und Ärzte, die dasselbe Unternehmen für ihre eigenen Patienten um dasselbe gebeten hatten, von wochenlangem Schweigen. Spencer Nadolsky und Mike Albert von der Online-Adipositasklinik Vineyard sagten STAT, sie hätten für mehrere Patienten Anträge gestellt, die auf Lillys zugelassenes Mittel Zepbound nicht ausreichend angesprochen hätten. Nadolsky sagte, einer seiner Patienten habe lediglich eine vorläufige Qualifizierung erhalten, und das erst, nachdem STAT bei Lilly um eine Stellungnahme gebeten hatte. Angela Fitch, medizinische Leiterin der Adipositasklinik knownwell, sagte, Behandelnden stehe „eine Erklärung irgendeiner Art“ darüber zu, ob es überhaupt ein formelles Programm gebe.

    Die Reihenfolge lautet also: Eine Person kommt hinein, eine Redaktion fragt nach, Abgeordnete fragen nach, dann erscheint ein Programm.

    Die Kriterien, und dass es sie in zwei Fassungen gibt

    Das muss ein Patient jetzt erfüllen. Mindestens 18 Jahre alt sein. Therapierefraktäre Adipositas haben. Zwei oder mehr schwere oder lebensbedrohliche adipositasbezogene Begleiterkrankungen haben, die aktuell nach Standard behandelt werden. Nicht an einer Studie zu Retatrutid oder einem vergleichbaren Prüfpräparat teilnehmen können. Alle Standardoptionen besprochen haben, einschließlich bariatrischer Chirurgie.

    Das ist bereits eine enge Tür. Aber ein Detail lohnt das Verweilen, weil es genau die Sorte Detail ist, die Einzelfälle entscheidet und fast nie in eine Schlagzeile kommt: Die Kriterien existieren in zwei leicht verschiedenen veröffentlichten Fassungen.

    Eine mit dem Programm vertraute Quelle sagte STAT, infrage kämen Personen ab 18, die nicht an einer Studie teilnehmen können, therapierefraktäre Adipositas mit zwei oder mehr schweren Begleiterkrankungen haben und alle Standardoptionen besprochen haben. Reuters berichtete, gestützt auf einen Unternehmenssprecher, etwas Strengeres: therapierefraktäre Adipositas trotz Verträglichkeit der höchsten zugelassenen Dosis einer Adipositastherapie. Das American Journal of Managed Care legte beide Darstellungen am 5. August nebeneinander und benannte es deutlich: Je nach Darstellung ist die Anforderung entweder ein Therapieversagen unter Maximaldosis oder das dokumentierte Gespräch über Standardoptionen. Der Widerspruch war zum Redaktionsschluss nicht aufgelöst.

    Zwei Fassungen einer Regel sind keine Fußnote. Sie sind der Unterschied zwischen einem Patienten, der qualifiziert ist, und einem, der es nicht ist, und weder der Patient noch die behandelnde Praxis bekommt zu sehen, welche Fassung auf sie angewendet wird. Fitch sagte, sie habe noch keinen Antrag gestellt und versuche weiterhin, von Lilly zu erfahren, ob Patientinnen und Patienten für die Behandlung überhaupt ein Studienzentrum aufsuchen müssten.

    Nicht alle Fachleute wollen hinein. Fatima Cody Stanford von der Harvard Medical School und Gitanjali Srivastava vom Vanderbilt University Medical Center sagten STAT, sie verfolgten den Weg für ihre Patienten nicht und wollten mehr Sicherheitsdaten sehen, bevor sie das Mittel außerhalb einer überwachten Studie anbieten. Stanford, selbst klinische Prüferin in Lillys Retatrutid-Studien, sagte, sie glaube nicht, dass das Unternehmen den Zugang über den ursprünglichen Patienten hinaus ausweiten wollte, und müsse nun ein Programm verwalten, das es möglicherweise nie geplant habe.

    Wer den Schlüssel tatsächlich hat

    Der Reflex ist, die Behörde verantwortlich zu machen. Der Reflex geht hier fehl, und die Korrektur ist wichtig, weil sie zeigt, wo die Macht wirklich sitzt.

    Die FDA beschreibt Expanded Access in ihrer eigenen Handreichung für Ärztinnen und Ärzte als Weg mit drei Rollen. Die Patientin bespricht sich mit einer behandelnden Person. Die behandelnde Person übernimmt die Aufsicht über die Behandlung, reicht die Unterlagen bei FDA und Ethikkommission ein und verantwortet Versorgung und Meldepflichten. Und das Unternehmen muss bereit sein, das Prüfpräparat zur Verfügung zu stellen. Die FDA schreibt selbst, dass sie die weit überwiegende Mehrheit der bei ihr eingehenden Anträge passieren lässt. Was sie nicht kann: einen Hersteller anweisen, ein Medikament herauszugeben, das er nicht herausgeben will.

    Der Flaschenhals ist also keine Behörde. Er ist eine Unternehmensentscheidung, und es gibt keinen äußeren Maßstab, den diese Entscheidung erfüllen muss, keine veröffentlichte Warteliste und keinen Widerspruchsweg.

    Das ist der Teil, den man aus dieser Geschichte mitnehmen sollte. Für ein nicht zugelassenes Medikament gibt es in diesem System nirgends einen Anspruch auf Zugang. Es gibt nur die Bereitschaft eines Unternehmens, und Bereitschaft verteilt sich entlang der Reichweite: eine leitende Ärztin an einer Bundesforschungseinrichtung, eine Redaktion mit einer Telefonnummer, ein Abgeordneter mit Briefkopf.

    Wäre das in Deutschland anders? Zum Teil

    Das deutsche Recht kennt denselben Weg, und es ist an Stellen strenger, die leicht zu übersehen sind.

    Nach § 21 Abs. 2 Nr. 3 Arzneimittelgesetz braucht ein Arzneimittel keine Zulassung, wenn es unter den Voraussetzungen des Artikels 83 der Verordnung (EG) Nr. 726/2004 kostenlos für Patientinnen und Patienten zur Verfügung gestellt wird, die an einer zu schwerer Behinderung führenden oder lebensbedrohlichen Erkrankung leiden und mit einem zugelassenen Arzneimittel nicht zufriedenstellend behandelt werden können. (Ältere Handreichungen, auch die Seite, die das BfArM bis heute veröffentlicht, zitieren das als Nr. 6, nach der früheren Nummerierung. Der geltende Gesetzestext führt es als Nr. 3.)

    Das Verfahren steht in einer eigenen Verordnung, der Arzneimittel-Härtefall-Verordnung, in Kraft seit dem 22. Juli 2010. Nach § 3 muss die Person, die Veranlassung, Organisation und Finanzierung eines solchen Programms übernimmt, es der zuständigen Bundesoberbehörde anzeigen und einen festgelegten Satz Unterlagen einreichen. Nach § 4 bestätigt die Behörde den Eingang innerhalb von zwei Wochen, das Programm darf erst beginnen, wenn diese Bestätigung vorliegt und die Behörde nicht widersprochen hat, und die Behörde kann widersprechen, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind.

    Man vergleiche das mit dem US-Fall. In Deutschland kann ein Gruppenprogramm nicht still existieren und auch nicht still nicht existieren. Es muss einer staatlichen Stelle angezeigt werden, es darf nicht verkauft werden, und eine staatliche Stelle kann es stoppen.

    Und jetzt die Grenze, und sie steht auf der Seite des BfArM selbst: Die Verordnung gilt nur für Programme, die für Gruppen von Patientinnen und Patienten gedacht sind. Die Behandlung eines individuellen Einzelfalls ist ausdrücklich nicht Gegenstand der Verordnung und des zugehörigen Anzeigeverfahrens.

    Das heißt: Genau das, womit diese Geschichte anfing, eine nirgends benannte Person, die ein nicht zugelassenes Mittel vor allen anderen bekommt, fiele auch in Deutschland aus dem sichtbaren Verfahren heraus. Das deutsche System macht Programme rechenschaftspflichtig. Es macht individuelle Gefälligkeiten nicht sichtbar. Und in beiden Ländern entscheidet weiterhin das Unternehmen, ob es überhaupt ein Programm auflegt.

    Warum das in ein Magazin für dicke Menschen gehört

    Weil es dieselbe Form hat wie fast alles, was wir dieses Jahr dokumentiert haben, und die Form wird langsam selbst zur Geschichte.

    In Frankreich werden Abnehmmittel erstattet, in Deutschland sortiert das Gesetz sie unter Lifestyle. In den USA verläuft der Zugang zu GLP-1-Mitteln längst entlang des Einkommens, und die Schere bestraft doppelt. Die deutsche Erstattungsdebatte bietet, wie wir beim Vorstoß aus der G-BA-Spitze beschrieben haben, Versorgung zum Preis der Einstufung als krank. Und im Recht ist Körpergewicht weder in den USA noch in Großbritannien noch in Deutschland ein geschütztes Merkmal, Schutz läuft über das Behinderungsrecht, also über eine Diagnose.

    Jedes Mal derselbe Tausch. Zugang gibt es, aber nur gegen eine Kategorie: krank genug, arm genug, diagnostiziert genug, vernetzt genug. Der Retatrutid-Fall liefert die roheste Fassung davon: Zugang gegen Nähe zur Macht.

    Dazu kommt ein zweiter Punkt. Wenn Evidenz über diese Mittel eintrifft, kommt sie überwiegend von denen, die sie verkaufen. Drei Cochrane-Reviews zu Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid, über die das Deutsche Ärzteblatt am 7. November 2025 berichtete, fanden eine klinisch bedeutsame Gewichtsreduktion, solange die Therapie läuft. Alle drei Forschungsteams wiesen ausdrücklich darauf hin, dass die meisten zugrunde liegenden randomisierten Studien von den Herstellern finanziert wurden. Über die Frage, wer die Studien bezahlt, die diese Debatte prägen, haben wir Anfang des Monats geschrieben. Sie gilt auch hier.

    Der Vollständigkeit halber die Zahlen, auf die Lilly seinen Zulassungsantrag stützt, aus der Mitteilung des Unternehmens vom 23. Juli 2026: In TRIUMPH-2 verloren Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Adipositas oder Übergewicht unter der höchsten Dosis nach 80 Wochen im Mittel bis zu 20,8 Prozent ihres Körpergewichts, in TRIUMPH-3 Erwachsene mit schwerer Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung im Mittel bis zu 22,6 Prozent. Lilly kündigte an, die Zulassung im ersten Quartal 2027 bei der FDA zu beantragen. Wir berichten diese Zahlen als das, was sie sind: vom Hersteller mitgeteilte Topline-Ergebnisse, kein unabhängiges Urteil, und kein Grund für irgendjemanden, ein Medikament zu wollen oder nicht zu wollen.

    Was bleibt

    Ein 79-jähriger Mann bekam ein Medikament, das es offiziell noch nicht gibt. Wer er ist, wissen wir nicht. Seine Ärztinnen und Ärzte an einer Bundesforschungseinrichtung wussten, wie man fragt. Andere Ärztinnen und Ärzte fragten und warteten wochenlang. Dann fragten Journalistinnen, dann fragten Abgeordnete, und dann erschien ein Programm mit Regeln, die es in zwei Fassungen gibt.

    Nichts daran ist ein Argument über Körper. Es ist ein Argument über Warteschlangen und darüber, wer die Regeln fürs Anstehen schreiben darf. Für dicke Menschen, denen sehr viel erzählt wird, ihre Gesundheit sei eine Frage der persönlichen Anstrengung, lohnt es sich auszusprechen, wie viel vom tatsächlichen Zugang in diesem System über Nähe, Papierkram und Presseaufmerksamkeit entschieden wird.

    Quellen

    • Sneha S K, Deena Beasley: Eli Lilly to offer early access to next-gen obesity drug to some patients. Reuters, 3. August 2026. https://www.reuters.com/legal/litigation/eli-lilly-offer-early-access-next-gen-obesity-drug-some-patients-2026-08-03/
    • Lizzy Lawrence, Elaine Chen: Eli Lilly to allow more patients to apply for special access to unapproved obesity drug. STAT, 3. August 2026 (STAT Plus, Volltext hinter Bezahlschranke; die hier verwendeten Angaben stammen aus den Wiedergaben von AJMC und Reuters). https://www.statnews.com/2026/08/03/eli-lilly-retatrutide-mystery-patient-doctors-seek-same-access-their-patients/
    • Giuliana Grossi: Lilly Expands Retatrutide Access Amid Doctor Pushback. The American Journal of Managed Care, 5. August 2026. https://www.ajmc.com/view/lilly-expands-retatrutide-access-amid-doctor-pushback
    • Eli Lilly and Company: Lilly’s triple agonist, retatrutide, successful in two additional Phase 3 obesity trials. Pressemitteilung, 23. Juli 2026. https://investor.lilly.com/news-releases/news-release-details/lillys-triple-agonist-retatrutide-successful-two-additional
    • US Food and Drug Administration: Expanded Access, Information for Physicians. https://www.fda.gov/news-events/expanded-access/expanded-access-information-physicians
    • § 21 Abs. 2 Nr. 3 Arzneimittelgesetz. https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__21.html
    • §§ 1, 3, 4 Arzneimittel-Härtefall-Verordnung. https://www.gesetze-im-internet.de/amhv/
    • BfArM: Arzneimittel-Härtefallprogramme / Compassionate Use. https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Klinische-Pruefung/Compassionate-Use/_artikel.html
    • Fast alle Studien zu „Abnehmspritzen“ von Herstellern finanziert. Deutsches Ärzteblatt, 7. November 2025 (Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, DOI 10.1002/14651858.CD016018, 10.1002/14651858.CD015092.pub2, 10.1002/14651858.CD016017). https://www.aerzteblatt.de/news/fast-alle-studien-zu-abnehmspritzen-von-herstellern-finanziert-a4c0435a-b30e-4d18-92f3-4ccdf5087d1c

    Hinweis zur Quellenlage: Der STAT-Artikel liegt hinter einer Bezahlschranke. Jede STAT zugeschriebene Angabe in diesem Text stammt aus der faktengeprüften Zusammenfassung des AJMC oder aus Reuters, die beide STAT ausdrücklich als Quelle nennen. Es wird kein wörtliches Zitat wiedergegeben, das wir nicht in einer zugänglichen Quelle gefunden haben. Die Identität des Aprilpatienten ist nicht bekannt und wird hier über das berichtete Dementi des Weißen Hauses hinaus nicht spekuliert.

  • Erst Krankheit, dann Kasse: Was der G-BA-Vorstoß dicke Menschen kosten würde

    Erst Krankheit, dann Kasse: Was der G-BA-Vorstoß dicke Menschen kosten würde

    Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses hat etwas gesagt, das in Deutschland aus dieser Position noch niemand gesagt hat. Und sie hat dabei sehr genau benannt, wo der Preis liegt.

    Sonja Optendrenk führt seit Anfang Juli 2026 den G-BA, das höchste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Es entscheidet, welche Leistungen die gesetzlichen Kassen ihren 74 Millionen Versicherten erstatten. Anfang August sagte sie dem Spiegel, sie halte es für überlegenswert, Abnehmmittel unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen. Wörtlich, wiedergegeben von der Nachrichtenagentur dts und vom Tagesspiegel: „Wir führen in Deutschland eine rückständige Diskussion über Adipositas.“ Andere Länder wie Großbritannien hätten „konsequent akzeptiert, dass das eine echte Krankheit ist, die sich nicht nur durch Sport und bessere Ernährung zurückdrehen lässt“.

    Das ist ein Vorstoß, kein Beschluss. Aber er kommt von der Stelle, die am Ende die Details regeln müsste, und er ist inhaltlich präziser, als solche Vorstöße normalerweise sind.

    Was im Gesetz tatsächlich steht

    Der Grund, warum Wegovy und Mounjaro in Deutschland selbst zu zahlen sind, steht in § 34 Absatz 1 des Fünften Sozialgesetzbuchs. Ausgeschlossen sind danach Arzneimittel, bei deren Anwendung „eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht“. Und dann folgt die Aufzählung, die man einmal im Wortlaut gelesen haben sollte. Ausgeschlossen sind insbesondere Arzneimittel, die überwiegend dienen:

    • zur Behandlung der erektilen Dysfunktion
    • zur Anreizung sowie Steigerung der sexuellen Potenz
    • zur Raucherentwöhnung
    • zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits
    • zur Regulierung des Körpergewichts
    • zur Verbesserung des Haarwuchses

    Das ist die Gesellschaft, in der dicke Körper im deutschen Sozialrecht sitzen: zwischen Potenzmitteln und Haarwuchs. Nicht als Nebenwirkung einer verunglückten Formulierung, sondern als geltendes Recht.

    Optendrenk benennt genau diesen Punkt. Dass auch Arzneimittel, die ausdrücklich zur Behandlung der Adipositas zugelassen sind, unter diesen Paragrafen fallen, sei für Betroffene „ein Zeichen dafür, dass diese Anerkennung fehlt“.

    Das ist die ehrlichste Beschreibung des Problems, die aus dieser Ecke bisher gekommen ist. Es geht nicht nur um Geld. Es geht darum, in welche Liste ein Körper einsortiert wird.

    Der Präzedenzfall steht direkt daneben

    Was Optendrenks Vorschlag von einer Absichtserklärung unterscheidet, ist, dass die Vorlage bereits im selben Paragrafen steht.

    Für die Raucherentwöhnung hat der Gesetzgeber die Regel nämlich schon einmal aufgebrochen. § 34 Absatz 2 SGB V gibt Versicherten mit festgestellter schwerer Tabakabhängigkeit einen Anspruch auf eine einmalige Versorgung mit Arzneimitteln zur Tabakentwöhnung, allerdings nur im Rahmen evidenzbasierter Programme. Eine erneute Versorgung ist frühestens drei Jahre nach Abschluss der Behandlung möglich. Und die Details, also welche Arzneimittel unter welchen Voraussetzungen, legt der G-BA in seinen Richtlinien fest.

    Die Tabakentwöhnung steht damit weiterhin in der Ausschlussliste von Absatz 1 und hat trotzdem einen eng umrissenen Anspruch in Absatz 2. Der Gesetzgeber schneidet die Ausnahme, das Gremium füllt sie aus.

    Genau dieses Muster bringt Optendrenk ins Spiel: Der Gesetzgeber könnte den G-BA beauftragen zu klären, welche Patientengruppen die Arzneimittel bekommen sollten, wie lange und mit welchen Begleitmaßnahmen. Wer wissen will, wie so etwas praktisch aussieht, muss nicht spekulieren. Die Bedingungen der Tabak-Regelung sind der Bauplan: eine festgestellte Schwere, ein Programm drumherum, eine Sperrfrist.

    Der Preis steht im Satz mit drin

    Und hier wird es für dicke Menschen kompliziert, statt einfach nur gut.

    Der Weg zur Erstattung führt in Optendrenks eigener Argumentation über die Anerkennung als Krankheit. Großbritannien habe akzeptiert, dass das eine echte Krankheit sei. Zugang gibt es also, wenn der Körper als behandlungsbedürftig gilt.

    Das ist dieselbe Logik, die auch die deutsche Leitlinienmedizin fährt. Die S3-Leitlinie zur Adipositas hat 2024 ein eigenes Kapitel zur Stigmatisierung bekommen, und dieses Kapitel endet mit dem Argument, die Anerkennung der Adipositas als Krankheit impliziere eine flächendeckende Bereitstellung abrechenbarer Therapie. Entstigmatisierung als Begründung für mehr Behandlung. Wir haben das ausführlich in unserem Beitrag dazu aufgeschrieben, was Health at Every Size wirklich meint, denn dort verläuft die Bruchlinie: Der eine Rahmen sagt, Versorgung müsse man sich nicht verdienen, der andere sagt, Versorgung gibt es, sobald der Körper eine Diagnose trägt.

    Beides ist besser als der Status quo, in dem dicke Menschen weder anerkannt noch versorgt werden. Aber es sind zwei verschiedene Zukünfte. In der einen bekommst du Versorgung, weil du ein Mensch bist. In der anderen bekommst du sie, weil du ein Fall bist.

    Ihr eigener Einwand ist der interessanteste Teil

    Optendrenk hat den Vorstoß selbst eingeschränkt, und zwar schärfer, als es die Schlagzeilen wiedergeben: „Solange das Gewicht nach dem Absetzen sofort zurückkommt, ist eine Spritze allein kein Versorgungskonzept.“ Langzeitstudien fehlten bislang.

    Der Satz lässt sich in zwei Richtungen lesen, und beide Lesarten werden in den nächsten Monaten benutzt werden.

    Gewichtsneutral gelesen heißt er: Ein Mittel, dessen Wirkung endet, wenn man es absetzt, ist kein Ersatz für eine Versorgung, die dicke Menschen ernst nimmt. Das deckt sich mit dem, was wir aus der Forschung ohnehin wissen, und es ist ein Argument gegen die Vorstellung, mit einem Rezept sei das Thema erledigt.

    Industrienah gelesen heißt derselbe Satz aber: Wenn das Gewicht nach dem Absetzen zurückkommt, darf eben nicht abgesetzt werden. Aus einer befristeten Behandlung wird eine dauerhafte Medikation, und aus einem Kostenpunkt wird ein Abonnement. Wer schon einmal verfolgt hat, wie in den USA um Erstattung gestritten wird, kennt dieses Argument. Wir haben die Zugangsfrage dort und in Frankreich in Frankreich zahlt, Deutschland nicht nachgezeichnet, die Klassenfrage in dick und arm.

    Welche Lesart sich durchsetzt, entscheidet sich nicht an ihrem Satz, sondern daran, wer die Begleitmaßnahmen definiert, von denen sie spricht.

    Was das für dicke Menschen praktisch bedeutet

    Kurzfristig: nichts. Es gibt keinen Beschluss, keinen Auftrag des Gesetzgebers und keinen Zeitplan. Wer heute ein Rezept will, zahlt weiterhin selbst.

    Mittelfristig lohnt es sich, auf drei Dinge zu achten, weil sie darüber entscheiden, ob eine Änderung Zugang schafft oder eine neue Hürde baut.

    Erstens die Zugangskriterien. Am Vorbild der Tabakregelung wird eine festgestellte Schwere verlangt werden. Bei Gewicht heißt das mit hoher Wahrscheinlichkeit BMI-Schwellen. Wer knapp darunter liegt, fällt raus, und die Grenze ist immer willkürlich.

    Zweitens die Begleitmaßnahmen. Verpflichtende Programme können gute Versorgung bedeuten oder eine Compliance-Prüfung, bei der Erstattung an nachgewiesenes Wohlverhalten geknüpft wird. Der Unterschied liegt im Detail und wird nicht im Gesetz stehen, sondern in einer Richtlinie.

    Drittens die Nebenwirkung auf alles andere. Eine Erstattung, die an die Anerkennung als Krankheit gekoppelt ist, verstärkt das Bild vom dicken Körper als Behandlungsfall. Das kann in derselben Praxis, in der es Zugang zu einem Medikament schafft, den Zugang zu allem anderen erschweren. Was in solchen Sprechzimmern passiert, steht in unserem Leitfaden dazu, was tun, wenn die Ärztin alles aufs Gewicht schiebt.

    Was wir hier nicht tun

    Wir empfehlen keine Abnehmmittel und wir raten von keinen ab. Das ist eine medizinische Entscheidung zwischen dir und einer Praxis, die dich ernst nimmt.

    Worum es hier geht, ist etwas anderes: dass ein Land, das dicke Körper im Gesetz neben Haarwuchsmittel stellt, gerade zum ersten Mal aus dem höchsten Selbstverwaltungsgremium hört, dass dieser Satz vielleicht falsch ist. Das ist eine gute Nachricht. Sie kommt nur mit einer Rechnung, und die Rechnung heißt Diagnose.

    Der Kostenbogen wird in der Debatte übrigens ebenfalls schon gespannt. Der Tagesspiegel beziffert die direkten medizinischen Kosten von Adipositas und ihren Folgeerkrankungen in Deutschland unter Verweis auf aktuelle Berechnungen auf rund 29 Milliarden Euro pro Jahr, ohne die Berechnung zu benennen. Wir führen die Zahl hier als das, was sie ist: ein Argument, das in der Debatte zirkuliert und dessen Quelle wir nicht am Original geprüft haben. Wer wissen will, warum das bei Zahlen zu dicken Menschen ein wiederkehrendes Problem ist, findet die längere Fassung in wer die Stigma-Studie bezahlt.

    Fatosphere hält eine rote Linie: Wir bewerben keine Diät- oder Abnehmprodukte und veröffentlichen keine Vorher-Nachher-Logik. Dieser Beitrag berichtet über eine gesundheitspolitische Debatte, ohne eine Behandlung zu empfehlen.

    Quellen

    • Sonja Optendrenk im Interview mit dem Spiegel, wiedergegeben von der dts Nachrichtenagentur (Presse Augsburg, 2. August 2026) und vom Tagesspiegel (2. August 2026). Das Interview selbst ist kostenpflichtig, die zitierten Sätze stimmen in beiden Wiedergaben überein.
    • § 34 Sozialgesetzbuch V, Absatz 1 (Ausschluss von Arzneimitteln, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht) und Absatz 2 (Anspruch bei schwerer Tabakabhängigkeit), gelesen am 5. August 2026 auf gesetze-im-internet.de.
    • Deutsche Adipositas-Gesellschaft (federführend), S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, AWMF-Registernummer 050-001, Version 5.0 vom 7. Oktober 2024, Kapitel 2 Stigmatisierung.

    Bildnachweis: Titelbild von Fatosphere, automatisch erzeugte Grafik, keine Fotografie und keine Abbildung realer Personen.

  • Dicke Männer geben sich selbst die Schuld

    Dicke Männer geben sich selbst die Schuld

    Von den brasilianischen Männern in der Kategorie, die die Studie „Adipositas Grad II“ nennt, stimmen 42,8 Prozent der Aussage zu, dicke Menschen seien für ihr Gewicht persönlich verantwortlich. Von den Frauen in genau derselben Gewichtskategorie sind es 15,0 Prozent.

    Gleiches Land, gleiche Befragung, gleiche Frage, gleiche Körper. Fast dreimal so viel Selbstbeschuldigung auf der männlichen Seite.

    Diese Lücke liegt seit März 2026 in einer begutachteten Fachzeitschrift, und fast niemand hat darüber geschrieben. Zum Teil, weil die Studie aus Brasilien kommt und nicht aus den USA. Zum Teil, weil dicke Männer die Gruppe sind, über die Fat-Aktivismus, Modeberichterstattung und Forschung gleichermaßen am wenigsten reden.

    Was die Studie ist

    Viola und Kolleg:innen haben die Auswertung am 9. März 2026 in Obesity Science & Practice veröffentlicht. Sie ist eine Teilauswertung einer größeren nationalen Befragung brasilianischer Erwachsener durch das Meinungsforschungsinstitut IPEC. Aus dieser Befragung haben die Forschenden die 653 Personen herausgezogen, deren selbst angegebene Größe und Gewicht rechnerisch einen BMI ab 30 ergaben.

    Von diesen 653: 368 Frauen, 284 Männer, eine nichtbinäre Person. Gut zwei Drittel gehörten zur sozioökonomischen Klasse C, dem unteren Mittelband der brasilianischen ABC-Einteilung. Rund 63 Prozent fielen in Grad I, 24 Prozent in Grad II, 13 Prozent in Grad III.

    Es ist eine Online-Panel-Befragung mit selbst berichtetem Gewicht, keine klinische Studie. Das ist wichtig dafür, wie viel die Zahlen tragen. Dazu unten mehr.

    Die Schuldlücke

    Über die gesamte Stichprobe stimmten 27,5 Prozent zu, dicke Menschen seien persönlich für ihr Gewicht verantwortlich. Nach Geschlecht getrennt ändert sich das Bild:

    • Persönlich verantwortlich: Männer 35,5 Prozent, Frauen 21,1 Prozent (p < 0,001)
    • Mangel an Willenskraft: Männer 30,9 Prozent, Frauen 20,4 Prozent (p = 0,002)
    • Fehlender Wille oder geringe Motivation: Männer 20,0 Prozent, Frauen 14,1 Prozent (p = 0,044)

    Drei Formulierungen derselben moralischen Idee, und Männer bejahen alle drei häufiger. In der Gruppe Grad II geht die Schere auf 42,8 gegen 15,0 Prozent auseinander.

    Das sind dicke Menschen, die über dicke Menschen sprechen. Es ist nicht die Meinung der dünnen Mehrheit über sie. Es ist das Geräusch eines Stigmas, das vollständig verschluckt wurde.

    Warum die Männerzahl die interessante ist

    Die Studie prüft keine Erklärungen für den Geschlechterunterschied, und wir tun es auch nicht. Aber zwei andere Befunde aus derselben Stichprobe weisen in eine Richtung, die man benennen sollte.

    Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden hatte nie eine formale Adipositas-Diagnose von einer medizinischen Fachkraft erhalten, Männer seltener als Frauen. Nur 40,2 Prozent berichteten von mindestens einem Arztbesuch pro Jahr, und Männer gaben häufiger als Frauen an, nur einmal in mehreren Jahren zur Ärztin zu gehen.

    Die Gruppe, die am stärksten glaubt, das Problem sei persönliche Willenskraft, ist also zugleich die Gruppe, die am seltensten in einem Sprechzimmer auftaucht. Ob der Glaube die Vermeidung antreibt oder die Vermeidung den Glauben schützt, kann die Studie nicht sagen. Dass beides in derselben Stichprobe zusammen auftritt, ist dokumentiert.

    Es gibt eine Version von Männlichkeit, in der das Bitten um Hilfe das Versagen ist, nicht der Zustand. Dicke Männer zahlen dafür offenbar doppelt: einmal für das Stigma, das alle anderen auf sie anwenden, und einmal für die Fassung, die sie auf sich selbst anwenden.

    Was in Deutschland gilt

    Eine vergleichbare aktuelle deutsche Erhebung zu Selbstbeschuldigung bei dicken Menschen ist uns nicht bekannt. Der Umweg über die Versorgungsdaten geht aber.

    Das Robert Koch-Institut hat für die Studie GEDA 2019/2020-EHIS die Inanspruchnahme ambulanter Leistungen erhoben. Ergebnis: Rund 80 Prozent der ab 18-Jährigen waren mindestens einmal im Jahr in hausärztlicher Behandlung, 60 Prozent in fachärztlicher, 10 Prozent in psychiatrischer oder psychotherapeutischer. Rund 80 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer ließen innerhalb eines Jahres den Blutdruck kontrollieren. Und als Muster über fast alle Indikatoren: Die Inanspruchnahme steigt mit dem Alter und ist bei Frauen höher als bei Männern, Ausnahme unter anderem die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung.

    Deutsche Männer gehen also ebenfalls seltener, in dieselbe Richtung wie in Brasilien. Was die RKI-Daten nicht sagen: ob Gewicht dabei eine Rolle spielt. Diese Verknüpfung fehlt in der deutschen Datenlage, und sie wäre die interessante.

    Die 11,6 Prozent, die nach guter Nachricht aussehen

    Dieselbe Studie fragte, wo dicke Menschen Diskriminierung erleben. Die Antworten der Reihe nach: Freizeit 48,2 Prozent, Arbeitsplatz 33,4 Prozent, öffentlicher Nahverkehr 33,1 Prozent, und das Gesundheitswesen mit 11,6 Prozent.

    Schnell gelesen sieht das nach einem Befund aus: Die brasilianische Medizin hätte ein kleineres Stigma-Problem als das brasilianische Nachtleben. Liest man die Frage, sieht es nicht mehr so aus.

    Die Teilnehmenden sollten bis zu drei Alltagssituationen oder Orte auswählen, an denen dicke Menschen ihrer Ansicht nach am meisten Diskriminierung erleben. Zwei Konstruktionsentscheidungen leisten hier die Arbeit. Die Frage zielt auf eine allgemeine Einschätzung, nicht auf die eigene Erfahrung. Und sie deckelt die Antwort bei drei Nennungen, was das Ganze in eine Rangfolge verwandelt statt in eine Messung.

    Ein Arzttermin passiert ein paar Mal im Jahr. Ein Bus passiert täglich. Wer nur drei Orte nennen darf, nennt die alltäglichen, und die seltene, dafür konzentrierte Begegnung mit hohem Einsatz fällt von der Liste. Die 11,6 Prozent sagen nicht, wie viele Menschen in einer Praxis gedemütigt wurden. Sie sagen, wie viele Menschen die Praxis in ihre persönlichen Top drei gesetzt haben.

    Zwei Befragungen, zwei Zahlen, ein Unterschied im Wortlaut

    Dagegen das Schweizer Adipositas-Barometer 2026, das wir vergangene Woche auseinandergenommen haben. Dort sagten 64 Prozent der selbst betroffenen Befragten, sie seien von Gesundheitsfachpersonen diskriminiert worden.

    11,6 Prozent und 64 Prozent, dem Anschein nach zur selben Sache. Der Abstand dazwischen ist kein Abstand zwischen Brasilien und der Schweiz. Er ist ein Abstand zwischen zwei Fragen.

    Die Schweizer Frage erhob bei Betroffenen die eigene Erfahrung, ohne Deckel und ohne Konkurrenz zwischen den Antwortoptionen. Die brasilianische Frage ließ alle dicken Befragten die Orte sortieren, an denen es dicke Menschen im Allgemeinen am härtesten trifft, maximal drei Nennungen. Diese Instrumente können keine vergleichbaren Zahlen erzeugen, und wer die eine gegen die andere stellt, vergleicht ein Thermometer mit einer Umfrage darüber, wer friert.

    Das ist der Teil, der über beide Studien hinaus wichtig bleibt. Wenn eine Stigma-Zahl ohne ihre Frage zirkuliert, kann man nicht erkennen, ob man auf die Wirklichkeit schaut oder auf die Form eines Fragebogens.

    Wer das hier bezahlt hat

    Fatosphere fragt das inzwischen bei jeder Studie, auch bei den eigenen Quellen.

    Die Teilauswertung und die Ursprungsbefragung wurden beide von Merck KGaA finanziert, mit Unterstützung der ABESO, der brasilianischen Gesellschaft für das Studium von Adipositas und metabolischem Syndrom. Durchgeführt hat die Ursprungsbefragung IPEC, ein kommerzielles Meinungsforschungsinstitut.

    Die offengelegten Interessenkonflikte reichen tief in die Branche. Der Erstautor berichtet Honorare von Novo Nordisk und AstraZeneca sowie Reisekostenunterstützung von Novo Nordisk, Eli Lilly, PTC Therapeutics und Chiesi. Eine Koautorin berichtet Vortrags- und Beratungshonorare von Chiesi, PTC, Lilly, Merck, Boehringer Ingelheim-Lilly und Novo Nordisk. Ein weiterer Koautor berichtet Zahlungen von Eli Lilly, Novo Nordisk, Merck, AstraZeneca und Abbott Nutrition, dazu Beiratstätigkeiten bei dreien davon.

    Die Vergleichsstudie, auf die sich die Autor:innen stützen, ist ACTION-IO, registriert auf Novo Nordisk.

    Nichts davon macht die Geschlechterlücke unecht. Es heißt aber, dass die beiden größten aktuellen Datensätze zu Gewichtsstigma, über die wir geschrieben haben, einer aus der Schweiz und einer aus Brasilien, beide von Pharmaherstellern bezahlt wurden. Wir haben nach einer vergleichbar großen unabhängig finanzierten Alternative gesucht und keine gefunden. Wer eine kennt, sage es uns.

    Was diese Zahlen tragen und was nicht

    Drei Grenzen, klar benannt, weil die Studie sie selbst benennt.

    Gewicht und Größe sind selbst angegeben, die als „Adipositas“ bezeichnete Gruppe ist also eine Gruppe von Menschen, die sich selbst hineingerechnet haben. Rekrutiert wurde über ein Online-Panel, was zu Menschen neigt, die online sind und bereit, regelmäßig Umfragen auszufüllen. Und das Erhebungsdatum steht in keiner der beiden Publikationen; der Ursprungsartikel wurde im September 2024 eingereicht, die Daten sind also mindestens so alt.

    Eine vierte Grenze ist unsere, nicht ihre: Die Teilauswertung nennt im Methodenteil 2.650 Personen für die Ursprungsstichprobe, während ihre eigene Zusammenfassung und die Ursprungspublikation beide 2.560 nennen. Eine Abweichung von hundert Personen in einem veröffentlichten Methodenteil ist klein, aber sie überlebt in jede spätere Zitation hinein.

    Die Lücke im eigenen Magazin

    Wir haben zwanzig Artikel veröffentlicht. Keiner davon handelte von dicken Männern.

    Das ist kein Versäumnis, das nur uns gehört. Fat Liberation ist aus feministischer Organisierung entstanden, Plus-Size-Modeberichterstattung wird für Frauen geschrieben, und die Forschungsliteratur folgt denselben Rillen. Währenddessen ist die Gruppe, die in all dem am wenigsten vorkommt, diejenige, die die Schuld am stärksten nach innen wendet, am seltensten zur Ärztin geht und am seltensten eine Diagnose bekommt.

    Wir haben dafür keine Lösung in einem Artikel. Wir haben einen Anfang: Wenn Sie ein dicker Mann sind, der seit Jahren annimmt, das Problem sei seine Disziplin, dann legen die brasilianischen Daten nahe, dass Sie damit reichlich Gesellschaft haben, und dass dieser Glaube ein Symptom des Stigmas ist und keine Diagnose über Sie.

    Drei Texte, die wir schon haben, sind die praktische Fortsetzung: was tun, wenn die Ärztin alles aufs Gewicht schiebt, wie Sie eine gewichtsneutrale Praxis finden, und wie Sie gewichtssensible Psychotherapie finden.


    Quellen, alle am 3. August 2026 an der Primärquelle gelesen: Viola L. F. et al., „Obesity-Related Beliefs, Concerns, and Stigmatizing Perceptions Among Adults Living With Obesity“, Obesity Science & Practice 12(2):e70133, veröffentlicht am 9. März 2026, DOI 10.1002/osp4.70133, PMCID PMC12971610. Ursprungsbefragung: Viola L. F. et al., „Exploring the Perceptions of Obesity, Health Habits, Stigma, and Eating Behaviors in Brazil“, Diabetology & Metabolic Syndrome 17:119, veröffentlicht am 7. April 2025, DOI 10.1186/s13098-025-01660-5. Deutsche Versorgungsdaten: Robert Koch-Institut, „Inanspruchnahme ambulanter medizinischer Leistungen in Deutschland“, Journal of Health Monitoring 3/2021, Studie GEDA 2019/2020-EHIS, Stand 15.09.2021. Schweizer Vergleichszahlen: gfs.bern, „Adipositas Barometer 2026″, Auftraggeberin Novo Nordisk.

    Fatosphere veröffentlicht keine Diät- oder Abnehminhalte. Dieser Artikel berichtet darüber, was Befragungen über dicke Menschen messen und wer sie bezahlt. Er ist keine Empfehlung für oder gegen eine Behandlung. Die Begriffe „Adipositas“ und „Grad II“ stehen hier nur dort, wo sie die Kategorien der Studien selbst bezeichnen.

  • Wer bezahlt die Stigma-Studie? Das Adipositas-Barometer 2026 und sein Auftraggeber

    Wer bezahlt die Stigma-Studie? Das Adipositas-Barometer 2026 und sein Auftraggeber

    Eine neue Schweizer Befragung liefert genau die Zahlen, die dicke Menschen seit Jahren einfordern. Fast zwei Drittel der Betroffenen berichten, von Gesundheitsfachpersonen diskriminiert worden zu sein. Neun von zehn Befragten bestätigen abwertende Blicke im Alltag. Und die Hälfte der Bevölkerung hält starkes Übergewicht weiterhin für eine Frage von Lebensstil und Disziplin.

    Auftraggeber der Studie ist Novo Nordisk, der Hersteller von Wegovy.

    Das ist kein Skandal, und es ist kein Grund, die Zahlen wegzuwerfen. Es ist ein Grund, sie richtig zu lesen. Darum geht es hier.

    Was das Adipositas-Barometer 2026 gemessen hat

    Das Institut gfs.bern hat zwischen April und Mai 2026 zwei Gruppen befragt: 1.539 Personen der Schweizer Wohnbevölkerung ab 16 Jahren sowie 116 Ärztinnen und Ärzte (Hausarztmedizin plus Endokrinologie, Chirurgie, Gastroenterologie, Adipositas-Zentren). Die Ergebnisse stehen offen als «Cockpit» auf cockpit.gfsbern.ch.

    Die Stigma-Befunde sind deutlich:

    • 82 Prozent der Bevölkerung sagen, dass Menschen mit starkem Übergewicht in der Schweiz sehr stark oder eher stark stigmatisiert werden. In der Ärzteschaft sind es 97 Prozent.
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (26 Prozent) und Typ-2-Diabetes (28 Prozent) liegen weit darunter. Psychische Erkrankungen (81 Prozent) und Suchterkrankungen (79 Prozent) liegen auf demselben Niveau wie Dicksein.
    • 92 Prozent stimmen zu, dass dicke Menschen im Alltag häufig abwertende Blicke erleben. 82 Prozent attestieren ihnen Vorurteile auch durch Gesundheitsfachpersonen und im Berufsleben.
    • Von den Befragten, die sich selbst als betroffen bezeichnen, berichten 64 Prozent, von Gesundheitsfachpersonen diskriminiert worden zu sein. 72 Prozent sagen, Scham halte Betroffene davon ab, medizinische Hilfe zu suchen.

    Und dann kommt der Teil, der die Studie wirklich interessant macht und nicht nur nützlich:

    • 79 Prozent der Bevölkerung erkennen Adipositas als behandlungsbedürftige Krankheit an.
    • 76 Prozent finden gleichzeitig, Betroffene trügen eine besondere Eigenverantwortung.
    • 49 Prozent stimmen zu, starkes Übergewicht sei vor allem dem Lebensstil und mangelnder Disziplin geschuldet.

    Der Krankheitsrahmen hat sich durchgesetzt, und die Schuldzuschreibung ist trotzdem nicht verschwunden. Beides gilt gleichzeitig, in derselben Bevölkerung, zum selben Zeitpunkt. Das ist der Befund, den man mitnehmen sollte.

    Wer den Auftrag gegeben hat, und warum das zählt

    Der Auftraggeber steht offen oben auf der Cockpit-Seite und noch einmal in der Methodenbox: Novo Nordisk. Keine Tarnstiftung, kein verschleiertes „unrestricted educational grant“. Die Offenlegung ist sauber, das gehört fairerweise dazu.

    Offenlegung ist aber nicht dasselbe wie Neutralität. Novo Nordisk verkauft Semaglutid. Eine Studie, die belegt, dass Dicksein stigmatisiert, medizinisch unterversorgt und als Krankheit anerkannt ist, führt zu Schlussfolgerungen, die kommerziell nützlich sind. Das macht die Antworten nicht falsch. Es prägt, welche Fragen überhaupt gestellt wurden.

    Die Markenfragen mitten in der Stigma-Befragung

    Wer das Cockpit genau liest, findet etwas, das eine rein akademische Stigma-Studie keinen Grund hätte aufzunehmen.

    Ein Abschnitt berichtet, wie die Befragten Novo Nordisk wahrnehmen: Unter denen, die Inhalte zum Unternehmen bemerkt hatten, bewerteten 17 Prozent diese positiv, 13 Prozent neutral, 14 Prozent negativ, und 42 Prozent gaben an, nichts Spezifisches zu Novo Nordisk gehört zu haben.

    Ein weiterer Abschnitt sortiert Pharmaunternehmen danach, wie stark ihr Engagement beim Thema wahrgenommen wird. Novo Nordisk führt mit 43 Prozent, vor Roche (37 Prozent), AstraZeneca (28 Prozent) und Eli Lilly (21 Prozent).

    Das ist Markentracking. Ein völlig übliches, legitimes Marktforschungsinstrument, eingebaut in denselben Fragebogen, der die Stigma-Zahlen erzeugt hat, die jetzt durch die Presse laufen. Wer die 64 Prozent zitiert, zitiert ein Instrument, das nebenbei erhoben hat, wie der Auftraggeber im Vergleich zur Konkurrenz dasteht.

    Die Politikfrage, die dem Auftraggeber nützt

    Die befragten Ärztinnen und Ärzte sollten einschätzen, wie wirksam verschiedene Maßnahmen wären. Unter den vorgelegten Optionen: „gelockerte Vergütungskriterien bei Medikamenten“. 76 Prozent hielten das für wirksam.

    Die Zahl stimmt. Der Rahmen ist trotzdem bemerkenswert. Eine Befragung entdeckt nicht, dass Befragte lockerere Erstattungsregeln wollen. Sie legt die Option vor und zählt die Kreuze. Die Maßnahme, die den Markt des Auftraggebers am direktesten erweitern würde, stand als Listenpunkt zwischen „bessere Abbildung der Leistungen in den Tarifen“ und einem „nationalen Aktionsplan“.

    Noch einmal: So funktioniert Auftragsforschung in jeder Branche. Zum Problem wird es erst, wenn die Zahl später zitiert wird, als hätten Ärztinnen und Ärzte diese Forderung von sich aus erhoben.

    Was die Stichprobe trägt und was nicht

    Die Methodenbox weist einen Stichprobenfehler von plus/minus 2,5 Prozentpunkten bei einer 50/50-Verteilung aus. Dieser Wert gilt für die Bevölkerungsstichprobe von 1.539 Personen.

    Er gilt nicht für die Teilgruppe, aus der die meistzitierten Befunde stammen. 9 Prozent der Befragten bezeichnen sich selbst als betroffen. Das sind rund 139 Personen, und das Cockpit weist für diese Teilgruppe weder ein eigenes n noch einen eigenen Fehlerbereich aus. Die 64 Prozent Diskriminierungserfahrung, die 72 Prozent Scham, die 43 Prozent, für die Behandlungskosten eine große finanzielle Last sind: All das ruht auf dieser kleinen Teilgruppe.

    Berichtenswert bleibt es. Aber nicht auf die Nachkommastelle, und nicht mit derselben Genauigkeit wie die Hauptzahlen. Wer diese Werte zitiert, sollte die Basis dazusagen. Die meiste Berichterstattung tut das nicht.

    Das ist kein Einzelfall

    Das Muster ist älter und größer als eine Schweizer Befragung. Auch die international am häufigsten zitierte Forschung zu Wahrnehmung und Versorgungshürden bei Adipositas hat denselben Auftraggeber.

    ACTION-IO, die Elf-Länder-Befragung von Betroffenen und Behandelnden, 2019 in Diabetes, Obesity and Metabolism veröffentlicht, ist bei ClinicalTrials.gov unter NCT03584191 registriert. Hauptsponsor: Novo Nordisk A/S. Die US-Vorläuferstudie ACTION (NCT03223493) läuft ebenfalls auf dieses Unternehmen.

    Aus diesen Studien stammen die viel wiederholten Zahlen dazu, wie selten dicke Menschen strukturierte Versorgung angeboten bekommen und wie selten Ärztinnen das Thema ansprechen. Sie sind, soweit wir das beurteilen können, methodisch sauber gemacht. Und sie sind ausnahmslos finanziert von einem Unternehmen, das genau die Behandlung verkauft, deren Fehlen die Studien belegen. Dieselbe Asymmetrie prägt, wer diese Mittel überhaupt bekommt. Das haben wir in Dick und arm: Die GLP-1-Zugangsschere bestraft doppelt und in Frankreich zahlt, Deutschland nicht untersucht.

    Eine vergleichbar große, unabhängig finanzierte internationale Forschungsbasis haben wir nicht gefunden. Wenn es sie gibt, freuen wir uns über Hinweise. So oder so ist die Mühe, überhaupt eine zu finden, selbst ein Befund darüber, wer Wissen über dicke Menschen finanzieren darf.

    Warum wir die Zahlen trotzdem benutzen

    Die Alternative zum Zitieren von Auftragsforschung ist, gar nichts zu zitieren, weil es zu vielen dieser Fragen in dieser Größenordnung schlicht nichts anderes gibt. Die Daten abzulehnen erzeugt keine besseren Daten. Es erzeugt Stille, und Stille war noch nie auf unserer Seite.

    Also benutzen wir sie, mit drei Regeln:

    1. Den Auftraggeber im selben Satz nennen wie die Zahl. Nicht in einer Fußnote, nicht am Schluss.
    2. Beschreibung und Politikschluss trennen. „Zwei Drittel der Betroffenen berichten Diskriminierung durch Gesundheitsfachpersonen“ ist eine Beschreibung. „Also müssen die Vergütungskriterien gelockert werden“ ist eine Schlussfolgerung, von der der Auftraggeber profitiert, und sie folgt nicht automatisch aus der Beschreibung.
    3. Die Basis nennen, auf der die Zahl ruht.

    Und was niemand gefragt hat

    Das Aufschlussreichste an einem Fragebogen ist meistens die Frage, die fehlt.

    Das Adipositas-Barometer fragt ausführlich nach Behandlung: welche Therapien genutzt wurden, warum sie abgebrochen wurden, ob die Erstattung leichter werden sollte, ob interdisziplinäre Strukturen fehlen. In der Liste der Abbruchgründe steht „Zielgewicht erreicht“ als Endpunkt.

    Nicht gefragt wird, ob Versorgung so organisiert werden könnte, dass dicke Menschen kompetent für das behandelt werden, weswegen sie eigentlich gekommen sind. Nicht gefragt wird, ob sich Stigma verringern ließe, indem man ändert, wie Praxen arbeiten, statt zu erweitern, was sie verschreiben. Nicht gefragt werden die Betroffenen, ob sie ihren Körper überhaupt behandelt haben wollen. Wie kompetente Versorgung stattdessen aussehen könnte, steht in unserem Leitfaden zur Suche nach gewichtssensibler Psychotherapie.

    Diese Fragen wären beantwortbar. Sie sind nur nicht die Fragen, für deren Beantwortung ein Pharmaunternehmen einen Grund hat zu zahlen. Solange niemand sonst zahlt, werden sie weiter nicht gestellt, und die Evidenzlage wird weiter in eine Richtung zeigen, weil nur für diese eine Richtung jemand eine Karte gekauft hat.


    Quellen, alle am 2. August 2026 an der Primärquelle gelesen: gfs.bern, „Adipositas Barometer 2026“, cockpit.gfsbern.ch, im Auftrag von Novo Nordisk, Befragungszeitraum April bis Mai 2026, N=1.539 Bevölkerung und N=116 Ärzteschaft, Projektnummer CH26OB00079_06/2026. ClinicalTrials.gov-Einträge NCT03584191 (ACTION-IO) und NCT03223493 (ACTION), Hauptsponsor Novo Nordisk A/S.

    Hinweis: Die Studie bezieht sich auf die Schweiz, nicht auf Deutschland. Für Deutschland gibt es keine vergleichbare aktuelle Erhebung, die uns bekannt wäre. Hinweise nehmen wir gern entgegen.

    Fatosphere veröffentlicht keine Diät- oder Abnehminhalte. Dieser Artikel berichtet darüber, wie Forschung über dicke Menschen finanziert und gerahmt wird. Er ist keine Empfehlung für oder gegen irgendeine Behandlung.

  • Frankreich zahlt, Deutschland nicht: Warum die Abnehmspritze hier als Lifestyle gilt

    Frankreich zahlt, Deutschland nicht: Warum die Abnehmspritze hier als Lifestyle gilt

    Seit dem 15. Juni 2026 erstattet die französische Krankenversicherung Wegovy und Mounjaro zu 65 Prozent. Deutschland führt dieselben zwei Präparate namentlich als Lifestyle-Arzneimittel, in derselben Rechtskategorie wie Mittel zur Verbesserung des Haarwuchses und gegen erektile Dysfunktion. Gleicher Kontinent, gleiche Wirkstoffe, gegenteilige Antwort.

    Dieser Text ist keine Empfehlung, diese Mittel zu nehmen, und schon gar keine Aufforderung, abzunehmen. Beides machen wir nicht. Es geht um etwas anderes: Zwei europäische Staaten sehen dieselbe Datenlage und entscheiden gegensätzlich, ob Versorgung für dicke Menschen Medizin ist oder Geschmackssache. Und darum, dass beide Systeme auf ihre Weise verlangen, dass dicke Menschen sich erst einmal rechtfertigen.

    Was Frankreich entschieden hat

    Mehrere Erlasse, veröffentlicht im französischen Journal officiel am 28. Mai 2026, haben Wegovy (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid) auf die Liste der erstattungsfähigen Arzneimittel gesetzt. Die Erstattung läuft seit dem 15. Juni 2026 und beträgt 65 Prozent, der Eigenanteil liegt also bei 35 Prozent. Eine vollständige Übernahme ist je nach Versichertenstatus, anerkannter Langzeiterkrankung (ALD) und Zusatzversicherung möglich.

    Die Bedingungen sind eng. Der amtliche Bürgerinformationsdienst der französischen Regierung beschreibt die anspruchsberechtigte Gruppe als diejenigen, die auch für eine bariatrische Operation infrage kämen: BMI ab 40 ohne Begleiterkrankung oder ab 35 mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung. Die Mittel gelten als Zweitlinientherapie und sind erst nach dokumentiertem Scheitern einer ernährungsmedizinischen Behandlung zugelassen, wobei dieselbe Quelle Scheitern als weniger als 5 Prozent Gewichtsverlust nach sechs Monaten definiert. Verordnet werden dürfen sie nur zusätzlich zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung.

    Auch wer verordnen darf, ist begrenzt. Nach Angaben der französischen Krankenversicherung ist die erste erstattungsfähige Verordnung Fachärztinnen und Fachärzten aus der Adipositasversorgung vorbehalten: spezialisierte Adipositaszentren, Universitätskliniken, bestimmte Reha- und Ernährungseinrichtungen oder Endokrinologinnen in Anbindung an ein solches Zentrum. Folgeverordnungen darf danach die Hausärztin ausstellen. Ein Begleitformular muss einmalig von einer berechtigten Ärztin ausgefüllt, den Patientinnen und Patienten mitgegeben und bei jeder Abgabe in der Apotheke vorgelegt werden. Wer die Mittel schon vor dem 15. Juni privat gekauft hat, braucht dieses Formular ebenfalls, sonst gibt es keine Erstattung.

    Was Deutschland entschieden hat

    Deutschland hat die Erstattung nicht nach Abwägung der Evidenz abgelehnt. So weit kam die Frage nie, denn sie war 2004 erledigt.

    § 34 Absatz 1 SGB V schließt Arzneimittel von der Versorgung aus, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht. Das Gesetz nennt dann seine eigenen Beispiele. Im Wortlaut ausgeschlossen sind Mittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, der Anreizung sowie Steigerung der sexuellen Potenz, zur Raucherentwöhnung, zur Abmagerung oder zur Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichts oder zur Verbesserung des Haarwuchses dienen. Körpergewicht steht in dieser Aufzählung, in diesem Satz, neben Haarwuchs.

    Am 21. März 2024 hat der Gemeinsame Bundesausschuss Wegovy förmlich in Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie aufgenommen, die Anlage mit der Überschrift Lifestyle-Arzneimittel. Die eigene Pressemitteilung des G-BA ist ungewöhnlich offen darüber, wie wenig Spielraum er hatte. Im Stellungnahmeverfahren habe er sich intensiv mit Forderungen nach einer Sonderregelung wenigstens ab einem BMI über 30 befasst und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass er einen solchen Entscheidungsspielraum nicht sieht. Dieselbe Mitteilung nennt eine Folge, die leicht überlesen wird: Weil der Ausschluss am zugelassenen Anwendungsgebiet hängt, kann Wegovy auch nicht im gerade beschlossenen DMP Adipositas berücksichtigt werden. Der Staat richtet also ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Adipositas ein und darf das Medikament rechtlich nicht hineinnehmen.

    Mounjaro folgte am 19. September 2024. Die Fachnews des G-BA zu diesem Beschluss formuliert die Begründung sehr direkt: Die Zuordnung zu den Lifestyle-Arzneimitteln werde nicht über den Krankheitswert der zugrundeliegenden Indikation definiert. Sie ergebe sich aus der Übereinstimmung des Anwendungsgebiets Gewichtsreduktion mit den Regelbeispielen im Gesetz. Der Ausschuss verweist auf ein Urteil des Bundessozialgerichts von 2012 (B 6 KA 50/11 R), wonach er hier keinen Ermessensspielraum hat, und nennt seine eigene Listung ausdrücklich deklaratorisch.

    Das ist der Kern. Die deutsche Aufsicht sagt nicht, Dicksein sei keine medizinische Angelegenheit. Sie sagt, die Frage stellt sich nicht. Auf der Zulassung steht Gewichtsregulierung, im Gesetz steht Gewichtsregulierung, und alles Weitere, auch ob die Person vor einem krank ist, ist rechtlich ohne Belang.

    Ein Wirkstoff, drei Namen, zwei Antworten

    Semaglutid wird in Deutschland als Wegovy, Ozempic und Rybelsus verkauft. Ozempic und Rybelsus sind für Typ-2-Diabetes zugelassen und seit Markteintritt erstattungsfähig. Wegovy ist derselbe Wirkstoff, zugelassen zur Gewichtsregulierung, und nicht erstattungsfähig. Bei Tirzepatid ist es dasselbe Muster: als Mounjaro zur Gewichtsregulierung ausgeschlossen, zur Behandlung des Typ-2-Diabetes weiter Kassenleistung.

    An der Chemie ändert sich am Apothekentresen nichts. Es ändert sich nur, welchen Satz der Zulassung die Kasse liest. Ein Körper, der bereits Diabetes entwickelt hat, bekommt Behandlung bezahlt. Derselbe Körper eine Diagnose früher nicht.

    Beide Systeme verlangen erst einen Nachweis

    Man könnte das als Frankreich gut, Deutschland schlecht lesen. So einfach ist es nicht, und die französische Regel verdient dieselbe Prüfung.

    Wer in Frankreich Anspruch haben will, muss zuerst gescheitert sein. Nicht im vagen Sinn: Das Kriterium ist eine dokumentierte ernährungsmedizinische Behandlung, die nach sechs Monaten weniger als 5 Prozent Gewichtsverlust gebracht hat. Diäthalten ist also nicht bloß begleitend erlaubt, es ist die Eintrittskarte, und das Medikament wird erst freigegeben, wenn die Diät nachweislich nicht funktioniert hat. Der Staat hat die Logik der Diätkultur in eine Erstattungsregel geschrieben und ihr eine Formularnummer gegeben. Und verlangt danach, dass die Diät weitergeht, denn die Verordnung gilt nur zusätzlich zu kalorienreduzierter Ernährung und mehr Bewegung.

    Die deutsche Variante von beweis es ist kürzer und härter. Es gibt nichts zu beweisen, weil die Kategorie schon feststeht. Wer das Mittel will, zahlt selbst, und wer das nicht kann, bei dem gilt das als Privatsache über Lebensqualität.

    Beides sind Moraltests. Der eine verlangt den Nachweis, dass man sich genug angestrengt hat. Der andere erklärt das ganze Feld zur Eigenverantwortung. Keiner von beiden beginnt bei der Frage, die ein Gesundheitssystem eigentlich stellen soll, nämlich was dieser eine Mensch tatsächlich braucht.

    Der Widerspruch, den Deutschland nicht auflöst

    Die deutschen Institutionen sind sich untereinander nicht einig.

    Die Magenverkleinerung ist Kassenleistung. Das Medikament nicht. Genau diese Lücke war der Anlass für die Petition, über die der Petitionsausschuss des Bundestags im November 2025 entschieden hat. Die Petentin argumentierte, dass eine Magenverkleinerung samt lebenslanger Folgebehandlungen teurer sei als die ebenfalls lebenslange Anwendung der Abnehmspritze. Am 12. November 2025 beschloss der Ausschuss mit breiter Mehrheit, eine Kostenübernahme bei medizinischer Notwendigkeit sei überlegenswert, und empfahl, die Petition dem Bundesgesundheitsministerium als Material zu überweisen. In der Begründung verwies er direkt auf § 34 und die Lifestyle-Kategorie und hielt fest, aussagekräftige Langzeitdaten zu kardiovaskulären Endpunkten und zur Arzneimittelsicherheit seien abzuwarten.

    Überlegenswert und als Material ist die parlamentarische Vokabel dafür, dass vorerst nichts passiert. Neun Monate später ist auch nichts passiert. Und weil der G-BA bereits erklärt hat, dass er keinen Ermessensspielraum hat, kann ausgerechnet das Gremium, das die Listung vorgenommen hat, sie nicht wieder aufheben. Ändern lässt sich das nur über das Gesetz, und das ist Sache des Gesetzgebers, nicht der Aufsicht.

    Was das praktisch bedeutet, wenn du in Deutschland lebst

    Kurz: Die gesetzliche Kasse zahlt Wegovy oder Mounjaro zur Gewichtsregulierung nicht, und ein Widerspruch gegen eine solche Ablehnung greift den Rechtsrahmen an, nicht die Entscheidung deiner Sachbearbeitung. Der Ausschluss steht im Gesetz.

    Zwei Dinge, die dabei oft durcheinandergehen:

    • Der Ausschluss hängt am zugelassenen Anwendungsgebiet, nicht am Wirkstoff. Wer wegen Typ-2-Diabetes behandelt wird, fällt nicht unter den Ausschluss. Das ist keine Hintertür und kein Tipp, sondern schlicht eine andere Indikation.
    • Der Ausschluss sagt nichts darüber, ob eine Praxis dich ernst nehmen muss. Deine Rechte in der Behandlung, von der Akteneinsicht bis zur Zweitmeinung, hängen nicht an dieser Erstattungsfrage.

    Wenn du das Gefühl hast, dass in deiner Praxis jedes Symptom aufs Gewicht geschoben wird, ist das ein eigenes Thema. Dazu haben wir einen eigenen Artikel und eine Anleitung zur Suche nach einer gewichtsneutralen Praxis.

    Warum wir überhaupt darüber schreiben

    Wir sagen niemandem, er solle diese Mittel nehmen, und wir behandeln Abnehmen nicht als erstrebenswertes Ziel. Unser Interesse an der GLP-1-Politik ist immer dasselbe: Sie zeigt, wer zu welchen Bedingungen Zugang zu medizinischer Versorgung bekommt.

    Bisher konnten wir diese Geschichte nur mit US-Material erzählen, wo private Kassen, Medicaid-Programme und Bundespilotprojekte die Tür monatsweise öffnen und schließen. Frankreich und Deutschland erlauben es, sie innerhalb eines Kontinents zu erzählen, unter zwei Systemen, die beide für sich in Anspruch nehmen, alle zu versorgen. Ein Mensch mit demselben Körper, denselben Diagnosen und derselben Ärztin bekommt eine andere Antwort, je nachdem auf welcher Rheinseite er wohnt. Das ist keine Medizin. Das ist Verwaltungsgeografie.

    Und die deutsche Kategorie sollte man beim Namen nennen. Körpergewicht 2004 in eine Rechtsliste mit Haarwuchs und sexueller Potenz zu schreiben, war eine politische Entscheidung, getroffen zu einer Zeit, als es fast keine der heutigen Daten gab. Daraus ist eine Regel geworden, von der die eigenen Vollzugsorgane sagen, sie könnten sie nicht biegen. Was immer man von diesen Mitteln hält, und es gibt gute Gründe, einem so lauten Markt zu misstrauen: Ein Gesundheitssystem, das vorab festlegt, das Thema sei Lifestyle, hat aufgehört, die medizinische Frage zu stellen. Es hat die Antwort nur zum Problem von jemand anderem gemacht.

    Was wir beobachten

    • Ob das Bundesgesundheitsministerium mit der Petition, die es im November 2025 als Material bekommen hat, irgendetwas anfängt.
    • Ob die engen französischen Kriterien Bestand haben, und wen die Anforderung, zuerst eine gescheiterte Diät zu dokumentieren, am Ende ausschließt.
    • Ob weitere EU-Staaten dem einen oder dem anderen Modell folgen. Daran wird sich zeigen, ob die französische Entscheidung ein Ausreißer war oder der Beginn einer Spaltung.

    Weiterlesen

    Unsere frühere Arbeit zur selben Frage, von der US-Seite her: Dick und arm: Die GLP-1-Zugangsschere bestraft doppelt. Zur Rechtslage bei Gewichtsdiskriminierung: Wenn die Welt nicht für dich gebaut ist.

    Quellen

    • Service-Public.fr (Direction de l’information légale et administrative), Deux médicaments contre l’obésité remboursés depuis le 15 juin, 1. Juni 2026, aktualisiert 15. Juni 2026.
    • Assurance Maladie (ameli.fr), Obésité : de nouveaux médicaments peuvent être pris en charge dans des conditions encadrées, 16. Juni 2026.
    • § 34 SGB V im Wortlaut, gesetze-im-internet.de.
    • Gemeinsamer Bundesausschuss, Meldung G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für das Abmagerungsmittel Wegovy nach, 21. März 2024.
    • Gemeinsamer Bundesausschuss, Fachnews Tirzepatid und Ritlecitinib als Lifestyle-Arzneimittel gelistet, 20. September 2024, zum Beschluss vom 19. September 2024.
    • Deutscher Bundestag, hib 605/2025, Übernahme der Kosten für die Abnehmspritze durch die GKV, 12. November 2025, zur Petition ID 165851.